brinnen-(brann)- gebrunnen : brennnen-brannte-gebrannt [ von Koschutnig am 2008-05-13 15:29:28 ]
Mundartlich wird noch vielerorts getrennt zwischen dem dem transitiven 'brennen' mit Objekt und dem intransitiven 'brinnen': "Dos Haus brinnt. Jetz is es gonz vabrunnen" (auch "verbrennen" ist sowohl intransitiv als auch transitiv).
'brinnen' (intr.) verhält sich zu 'brennen' (trans.) wie 'sinken' zu 'senken', 'winden' zu 'wenden', 'trinken' zu 'tränken', 'saugen' zu 'säugen', 'biegen' zu 'beugen'...
Die schwach gebeugten Kausativa wurden vom 2. Stamm (Präteritum) des jeweiligen starken Verbs durch die Endung -jan geildet, welche dann im Präsens einen Umlaut ("i-Umlaut") bewirkte:
innen-br
ann.
bran+jan > brennen.
In den anderen Zeiten gab es keinen Umlaut, daher historisch korrekt die "unregelmäßige" Beugung
brennen-brannte-gebrannt.
(Wenn andere Kausativa heute durchgehend den umgelauteten Stammvokal aufweisen - senkte-gesenkt, tränkte-getränkt -, dann ist das ein späterer "Formenausgleich".)
Im Gegensatz zu manchen Mundarten ist dann im Standarddeutschen (allerdings relativ spät) das starke intr. Verb im Kausativum 'brennen' aufgegangen. Daher 1712:
"Ungerechtes Gut thut niemals gut und brinnt in ewiger Glut." (Ignaz Ertl: "Amara Dulcis, Das ist: Bitter-Süsses Buß-Kraut", S. 387 f.) http://tinyurl.com/82svvd3
oder noch 1808 (allerdings ein alter Text eines österr. Kapuziners):
"Luft , Wasser und Erdreich, alles da brinnt,
und überaus groß Leid gewinnt.
(Brentano, "Des Knaben Wunderhorn", S. 202) http://tinyurl.com/87tb5wo