Schleckerbartl, schleckerpartl,... : jemandem Rübchen schaben, Geste der...


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Schleckerbartl, schleckerpartl, Schleckerbarthel

jemandem Rübchen schaben, Geste der Verspottung


Art des Wortes: Anderes

Kategorien: Zwischenmenschliches, Veraltet, Historisch

Tags: veraltet

Erstellt von: Koschutnig am 15.Aug.


Links: Österreichisches Wörterbuch : Schleckerbartl, schleckerpartl, Schleckerbarthel

  


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Damals oft erzählt:
Woher der Ausdruck „Schleckerbartl“ stammt.
Unter
den Vertheidigern Wien's während der Türkenbelagerung 1683 zeichnete sich der
Zischmenmacher Barthl Milokowitz in ganz eigenthümlicher Weise aus. Mit einem ungarischen Säbel bewaffnet, tödtete er zahlreiche Feinde; so oft er jedoch einem Türken den Kopf spaltete, rief er: "Schleck - er Bartl."
Dieser Zischmenmacher starb 1729, beinahe 100 Jahre alt, in einem Hause des Schlossergäßchens in Wien. Der Ausdruck "Schleckerbartl" aber, der durch ihn bekannt geworden war, hat ihn überlebt. Noch heutzutage, wenn das Volk in Deutschösterreich irgend etwas vergeblich Unternommenes verspotten will, gebraucht es den Ruf "Schleckerbartl", wobei bekanntlich manchmal auch die Zeigefinger kreuzweise aneinander gerieben werden.
Quelle: St. Pöltner Bote. 6. Jg., 4. Jänner 1866
von dem Tschischmenmacher Bartholomäus Milokowicz (gest. in Wien am 9. Juli 1729, alt 99 Jahre) wird erzählt, dass er viele Türken getötet und bei jedem seiner Schlachtopfer die kernigen Worte 'Lecke er den Bartl' geschrieen habe. Da er als geborener Ungar schlecht deutsch sprach, hatte solches wie „Schlecker-Bartl" gelautet, welcher Ausdruck bis heute noch sprichwörtlich geblieben, wenn man sich spottend über etwas vergeblich Unternommenes äußern will.
Quelle: Moriz Bermann, Alt- und Neu-Wien. Geschichte der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen (1880)
Castelli hat diese Mär offenbar nicht geglaubt, sonst hätte er das Wort orthografisch anders gestaltet:
Schlekabartl! ein Ausruf den man gebraucht, wenn man Jemanden ein Rübchen schabt
Quelle: Ignaz-Franz Castelli, Wörterbuch der Mundart in Österreich unter der Enns (1847), S. 244
Wohl aber wurde sie in 2 Wiener historischen Romanen verarbeitet:
Der eben Geschilderte war ein ehrsamer Czismenmacher, ein Ungar von reinstem Wasser, Namens Batholomäus Milokowitz, der jedoch weit und breit, seines Sprichwortes, das er ewig und immer im Munde führte, wegen, der Schlecker-Barthl "genannt wurde. (Dieser Redeausdruck hat sich bis auf die heutigen Tage erhalten und bedeutet im echt Wienerischen eine Art Abtrumpfung als Antwort.]
Quelle: Anonym, doch zugeschrieben
Louis Mühlfeld (d.i. Moriz Bermann), Prinz Eugen und der Geisterseher. Roman, Bd. 1, (1872), 7.Capitel. Die "Rumor-Leni" beim Bratlgeiger

und - nicht nur in dieser Passage beinah identisch - hier:
Der eben Geschilderte war ein ehrsamer Czismenmacher, ein Ungar von reinstem Wasser, Namens Batholomäus Milokowitz, der jedoch weit und breit, seines Sprichwortes, das er ewig und immer im Munde führte, wegen, der "Schleker-Barthl " genannt wurde.
Quelle: Franz-Enevold Brandt, Wie die Leopoldstadt zu ihrem Namen kam. 2. Capitel. Beim Bratlgeiger (1875), S. 17



Gibt's überhaupt schon ein Schleckerpatzl im 19. Jh.? Vielleicht im Steirischen? In Wien offenbar nicht:
Loisl (weinend): Der Herr da oben sagt, dass ma nimmer spiel'n därf'n!
Madame Gans (entrüstet): Wer kann eng verbiet'n z'spiel'n? Wer untersteht si, meine Kinder so z'sammz'schimfen? [...]
Papa Gänserich (in den Hof hinabrufend): Spiel di nur Loisl! Und wann d'r wer was sagt, so sag's nur mir; dem werd' schon i's nachher sag'n –
Madame Gans (ergänzend): [...] Blas nur, Loisl! Schenir' di und fürcht' di nöt, du hast es nit nöti!
Loisl: Oe! Oe! Oeoeoeoe! Schleckerbart! Schleckerbartl! Oe!
Chor der Freunde Loisl's: Oe! Oe! Schleckerbartl! Oe!
Papa Gänserich (lachend): A kecker Kerl, der Bua! a Mordschlanckl! Jetzt reckt er gar die Zungen heraus! ...
Quelle: Friedrich Schlögl, „Wiener Luft“. Kleine Culturbilder aus dem Volksleben der alten Kaiserstadt an der Donau (1876)
Der trojanische Krieg. Komischer Vortrag von Th. H. [...]
Was, schreit der Agamemnon kampfbereit, -
schämst du dich nit für Griechenlond, für unsere Leut', -
Trojaner werden unser Griechenlond verlochen,-
e Schleckerpartl werden se herübermochen
Quelle: Johann Ludwig Weber, Wiener Singspiel-Halle (1875)

von Koschutnig am 15.Aug.

 


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