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Pfingstlucken, Pfingstluckn : Schabernack als Pfingstbrauch; Letzter, ...


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Pfingstlucken, Pfingstluckn

der
Schabernack als Pfingstbrauch; Letzter, Spätkommender


Art des Wortes: Substantiv

Tags: Steiermark

Erstellt von: Koschutnig am 16.Jun.

Links: Österreichisches Wörterbuch : Pfingstlucken, Pfingstluckn V W

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Bekanntheit

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Frühes 19.Jh.:
Zu Wagendorf in Mittelsteiermark wurde zu jener Zeit der „Pfingstlucknritt“ der Halter- und Ochsenbuben (Viehhirten) abgehalten, an dem sich später auch angesehene Bauernsöhne gerne beteiligt haben sollen. Bei diesem heute vielleicht skurril erscheinenden Festzug wurden Rang und Rolle der Reiter durch den Zeitpunkt ihres morgendlichen Eintreffens auf der Gemeindeviehweide bestimmt, wobei der letzte eben der sogenannte „Pfingstluckn“ war. […]
Zuletzt kam der Pfingstluckn ganz mit grünen Birkenreisern umflochten und bekränzt auf dem schlechtesten Gaul geritten. […]
Im Jahre 1847 wurde der Pfingstlucknritt in St. Veit am Vogau behördlich verboten.
Quelle: Anton Schlossar (1849 - 1942), „Cultur- und Sittenbilder aus Steiermark“, Mein Südsteirer 02/2016
1954: Bericht der Schulleitung in Weinburg am Saßbach für den zuständigen Bezirksschulrat:
Die Jugend verbindet mit Pfingsten wieder die scherzhafte Sitte, „die Pfingstluckn machen“, so bekränzt man einem Langschläfer das Fenster mit Brennnesseln oder kitzelt ihn damit aus dem Bett.
Quelle: Mein Südsteirer 02/2016, S. 12

Schließlich wurde die Bezeichnung des scherzhaften Brauchs auch einfach auf die Person übertragen, die das Opfer des Schabernacks war (vgl. Eintrag Pfingstluckn von 2007) :
In der Steiermark ist der unser Pfingstochs’ oder „Pfingstluck’n“, der es einfach am Pfingstsonntag als letzter aus den Federn schafft. Ätsch!
Quelle: Gemeinde Miesenbach
Auch im Burgenland gibt's ihn:
S. 318 Am Pfingstsonntag in der Früh trachtet jedes Familienmitglied, möglichst als erstes aufzustehen; denjenigen, der als letzter aus den Federn kriecht, nennt man Pfingstluckn und schimpft ihn mit dem Vers aus:
Pfingstluckn steh’ auf, nimm in Bejsn und kiar auf
Quelle: Adalbert Putz, LEBENS- UND JAHRESBRAUCHTUM. Landesmuseum für Burgenland
Wer am Pfingstsonntag zuletzt aus dem Bett steigt, gilt als "Pfingstlucke" (auch: "Pfingstochse" oder "Pfingstnigl").
Die gleiche Bezeichnung trägt ein Blumenstrauß vermengt mit Brennesseln, der Langschläfern ins Bett gelegt wird.
Quelle: Feiertage Österreich
Und eine weitere Bedeutung hat die Bezeichnung des Schabernacks erfahren:
Schließlich sind als „südoststeirische“ Begriffe noch die „ (Erd-)kesten“ für Kartoffeln sowie die „Pfingstlucke“ für die Margerite zu nennen (vgl. Wiesinger 1967, 152ff.). Als „Pfingstlucken“ wird dieses Wort jedoch auch für einen Brauch verwendet, bei dem zu Pfingsten Streiche gespielt werden, was wiederum auf ein slowenisches „lukec“ in derselben Bedeutung zurückführbar ist
Quelle: Jakob Anton Paul Wiedner, „Die Sprache junger Menschen in der Südoststeiermark“ (2012)

von Koschutnig am 16.Jun.

 


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