Thema: Kreis(ch)ter

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Kreis(ch)ter
25.09.2017 von Meister Eder

Servus beinand!
Kennt jemand das Wort "Kreister" oder "Kreischter"?
Meine Oma hat mit dem Wort die gepolsterte Bankauflage bei der Eckbank in der Küche bezeichnet. (Tiroler Unterland)
Habe weitere Informationen darüber leider nicht gefunden - vielleicht weiß jemand mehr?

Grüße,
T

Kreister 1 + 2
25.09.2017 von Koschutnig

Geht’s nach Johann Schöpfs „Tirolischem Idiotikon“ (Mundartwörterbuch) von 1866, dann müsste man fast annehmen, dass das Möbelstück bei Belastung (oder danach) gewisse Geräusche von sich gegeben hat, denn dort findet sich der Eintrag zum Verb kreisten (= vor Anstrengung stöhnen): „Der Kreister, einmaliges Stöhnen, besonders aus Schwäche; der alte Kreister, der hart atmet und aus Altersschwäche immer stöhnt“. Doch das wird’s wohl nicht sein – oder wär das Tiroler Oma-Humor?

Andererseits konnte ein Kreister aber auch eine Brettertruhe sein, die, wenn sie mit Heu angefüllt war, durchaus bequem war und als Schlafstätte dienen konnte.
Lies nach in Ganghofers „Jäger vom Fall“ http://tinyurl.com/y7zuql36.
Auch in seinem „Edelweißkönig“ spricht Ganghofer davon: „Jetzt liegt er droben in der Bründlhütten, auf der Sennerin ihrem Kreister«“http://tinyurl.com/y74vyb5k

Zwar war der Ganghofer ein Bayer, doch Bezeichnungen wandern, und so wünsch ich dir, dass du damit halbwegs zufriedengestellt bist.

LG aus Kärnten
K.

http://tinyurl.com/y7zuql36
25.09.2017 von JoDo

ohne Punkt, sonst kommt eine Fehlermeldung ;-(

Kreister - die gepolsterte Auflage
27.09.2017 von Koschutnig

Fast alle auffindbaren Belege für den „Kreister“ als eine [wort:18459:Liegerstatt] in einer Sennhütte stammen aus bzw. von Bayern, nur 1 ist aus Tirol (1877), und zwar aus einer Zeitung aus Kufstein – und näher zu Bayern geht’s ja nicht, doch immerhin ist das im Unterinntal. Allerdings hat man schon damals in der Redaktion gemeint, das Wort für die städtischen Leser in einer Anmerkung verständlich machen zu müssen:[quote: „Ein Großglocknerbesteigung im Sommer 1876“ im Tiroler Grenzboten Kufstein (1877):http://tinyurl.com/ybyo8msh]
Auf einmal that's einen furchtbaren Krach ober uns wo die Führer schliefen. „Um Gott's Willen 's obere Kreister*) bricht!!!“ schrie der Student. [...]
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*) Kreister nennt man im Gebirge das Nachtlager.Ein einziges Mal aber findet sich eine Erklärung dafür, dass deine Großmutter von der gepolsterten Auflage eurer Sitzbank als dem „Kreister“ gesprochen hat:[quote:Volker Gläntzer, Ländliches Wohnen vor der Industrialisierung (1980):http://tinyurl.com/y6us4cp6] Das Bett war aber auch dann sehr einfach und bestand nur aus einem mit Heu oder Laub gefüllten Sack, dem Kreister.

Anderswo wird’s zu allen Zeiten stets weit allgemeiner als "Bettstelle", "Heubett", "Bett einer Sennerin" erklärt. Der Münchner Jurist und Schriftsteller Karl Stieler beschreibt im "Almleben" den Kreister allerdings in einer Weise, mit der keine Oma viel hätte anfangen können:[quote: Herman Schmid und Karl Stieler, Aus deutschen Bergen (1873):http://tinyurl.com/yaekvfps] Neben dem Mittelraum ist das "Boudoir" der Sennerin, ein enges aber trauliches Gemach. [...] Dort steht auch ihr Bett, das bis an die Decke reicht und von ungeübter Seite nur mit dem Bergstock erstiegen werden kann. Der Name desselben ist „Kreister“; dass dieser zum Mittelpunkt der erotischen Lyrik ward, liegt auf der Hand.

LG
K.


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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