Thema: Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?

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Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?
07.02.2007 von JoDo

Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?
07.02.2007 von JoDo

Am 7. Februar 2007 lief in der ORF-Vorabendsendung "Willkommen Österreich" folgender BeitragTagesthema: Österreichisch - zweitklassig, altomodisch, fehlerhaft?
Das österreichische Deutsch kämpft im Ausland mit Image-Problemen. Es wird zwar für gemütlich und sympathisch, aber von den Lehrenden für zweitklassig, altmodisch bzw. fehlerhaft gehalten und daher an den meisten ausländischen Universitäten auch nicht unterrichtet. Das ergab eine aktuelle Studie der österreichischen Sprachforscherin Dr. Jutta Ransmayr, für die unter anderem 130 Deutsch-Lehrende und 800 Studenten an 23 Unis in Großbritannien, Frankreich, Tschechien und Ungarn befragt wurden.
Zu Gast sind heute die Autorin der Studie und Herbert Fussy, Autor des "Österreichischen Wörterbuchs".

http://tv.orf.at/program/orf2/20070207/398278501/2...

Im KURIER liest man dazu:Ist österreichisches Deutsch plump?
Unser Deutsch wird im Ausland für einen Dialekt und für altmodisch gehalten. Studenten sollten daher Hochdeutsch lernen.

KURIER/Gehrke "Richtiges und gutes Deutsch" - laut einer Untersuchung ist "Österreichisch" genau das nicht.

Kasten, Sessel, Fisole & Co.Das österreichische Hochdeutsch wird im Ausland als plump und Dialekt erkannt. Die norddeutsche Synchronisationssprache gilt als korrekt.

Das österreichische Deutsch kämpft im Ausland mit Image-Problemen. Es wird zwar für gemütlich und sympathisch, aber von den Lehrenden für zweitklassig, altmodisch bzw. fehlerhaft gehalten und daher an den meisten ausländischen Universitäten auch nicht unterrichtet. Das ergab eine im Peter Lang Verlag erschienene Untersuchung der österreichischen Sprachforscherin Jutta Ransmayr, für die unter anderem 130 Deutsch-Lehrende und 800 Studenten an 23 Unis in Großbritannien, Frankreich, Tschechien und Ungarn befragt wurden.
Plump und dialektal

Germanistik-Studenten mit österreichischem Akzent und korrekter österreichischer Grammatik haben es vor allem in Frankreich schwer. Wer beispielsweise "ich bin - statt bundesdeutsch: habe - am Fenster gestanden" bei einer Prüfung verwendet, muss unter Umständen mit einer schlechteren Benotung rechnen. Besonders deutsche Germanistik-Lehrende im Ausland befanden das Österreichische als plump und dialektal, während es die ungarischen Lehrenden durchaus als korrekt einstuften. Die Sympathie, die dem österreichischen Deutsch von allen Seiten bekundet wurde, hat offenbar unmittelbar damit zu tun, dass es nicht als Hochsprache wahrgenommen wird. "Man muss ja über jeden Dialekt ein bisschen lächeln", wird eine französische Professorin zitiert.
"Bundesdeutsch ist wichtiger"

Die östlichen Nachbarländer erwiesen sich dem Österreichischen gegenüber als weniger skeptisch. Während in Frankreich fast 60 Prozent für die bundesdeutsche Sprachvarietät im Unterricht plädierten, waren es in Ungarn nur etwa ein Viertel. Die Begründungen reichten von "Bundesdeutsch ist wichtiger" über "Ich glaube es ist besser, wenn die Studenten Hochdeutsch lernen" bis zu "Die Deutschkenntnisse sind beim Studienanfang schlecht genug." Unmittelbare Auswirkungen hat das auch auf die Lehrenden. So werden österreichische Lektoren in Großbritannien selten für Grammatik-, sondern eher für Landeskunde-Kurse eingesetzt.
Österreichisches Deutsch wird als falsch wahrgenommen

Dass das österreichische Deutsch als falsch wahrgenommen wird, zeigen auch häufig korrigierte Austriazismen. So werden österreichische Wendungen wie "auf etwas vergessen" von über der Hälfte der Auslands-Lehrenden ausgebessert, auch bei Begriffen wie "Tuchent" (35 Prozent), oder "Sackerl" (30 Prozent) zücken viele den Rotstift, obwohl der von allen Befragten verwendete Duden diese Wörter als varietätenspezifisch richtig ausweist. "Deutschlandismen" werden dagegen weitgehend für Standard gehalten. Auf die Frage, ob sie Begriffe nennen könnten, die nur in Deutschland verwendet würden, gab fast ein Drittel an, die Frage nicht zu verstehen oder beantwortete sie nicht.
Mehr Sprach-Marketing

Am meisten bundesdeutsche, aber auch österreichische Begriffe konnten die tschechischen Befragten nennen. Bei den "Deutschlandismen" kannten sie am häufigsten "Abitur" "Blumenkohl" und "Brötchen", bei den Austriazismen regierten ebenfalls kulinarische Begriffe wie die "Marille", die "Paradeiser" und das "Schlagobers" - wahrscheinlich Überbleibsel aus der Monarchie-Küche.

Dass österreichischer Sprachexport also offenbar zuletzt in der Kaiserzeit passiert ist, stellt für Ransmayr einen wichtigen Grund für das Imageproblem dar. Österreich selbst müsse mehr Sprach-Marketing betreiben, forderte die Sprachwissenschafterin im APA-Gespräch. Die wichtigste Maßnahme wäre ein umfangreicheres Wörterbuch. "Für eine gehobene Sprachbenützung, aber auch für die Aussprache gibt es keine Standardwerke. Da bekommt man als Österreicher im Ausland oft Schwierigkeiten mit der Argumentation." Handlungsbedarf ortet Ransmayr auch an den heimischen Universitäten. Im Germanistik-Studium kommen die künftigen Deutschlehrer mit der Thematik überhaupt nicht in Berührung. Viele seien sich deshalb gar nicht sicher, ob sie wirklich richtig sprechen, wenn sie Österreichisch sprechen.

Artikel vom 30.01.2007, 10:09
http://kurier.at/nachrichten/chronik/53518.php

Perfektbildung der Zustandsverben
31.10.2007 von Gerfrei


Die Verwendung des Hilfszeitwortes "sein" statt "haben" für das Perfekt von "stehen", "sitzen" "liegen" usw. ist keineswegs eine österreichische Besonderheit, sondern im ganzen oberdeutschen oder (im überstaatlichen Wortsinne) süddeutschen Sprachraum üblich. Zwar sagen manche Bayern und Baden-Württemberger wie ihre nördlicheren bundesdeutschen Landsleute: "Ich habe gestanden, gesessen, gelegen usw."); aber das tun auch manche Österreicher, die sich dem nord- und mitteldeutschen Sprachgebrauch anpassen – im ORF und anderswo.
Ja, es gibt tatsächlich Austriazismen. Man sollte aber nicht allgemein bairische oder überhaupt oberdeutsche Besonderheiten für Austriazismen ausgeben. Außerdem gibt es auch sprachliche Besonderheiten, die weder mit der Staatsgrenze noch mit der Mainlinie zu tun haben. Der "Samstag"
reicht im Westen über die Mainlinie hinaus und dringt auch nach Nord- und Ostmitteldeutschland vor, wo er den "Sonnabend" verdrängt. Der "Tischler" heißt zwar in Süddeutschland "Schreiner", aber in Norddeutschland wie in Österreich "Tischler". Statt "zu Weihnachten" heißt es zwar in Süddeutschland "an W.", aber in anderen Teilen Deutschlands schreibt und sagt man entweder wie in Österreich "zu W." oder einfach "Weihnachten".

Süddeutsch, Oberdeutsch, Bairisch, ... ?
06.11.2007 von JoDo

Deiner Logik zu Folge dürfte die Bezeichnung "Österreichisch" nicht für Worte verwendet werden, die auch in einem größerem Sprachraum verwendet werden.
Na gut.
Warum sollte dann aber die typisch eigene österreichische Ausdrucksweise "Bairisch" heissen?
(bezieht sich auch auf Deinen Wortkommentar zu http://[wort:12249:reise]).

Gerfrei @JoDo
10.11.2007 von Gerfrei

Was in Altbayern (Bayern ohne Franken und Schwaben) genauso wie in Österreich gebräuchlich ist, bezeichne ich als als "bairisch" (nicht bayerisch). Was im ganzen oberdeutschen oder (im überstaatlichen Sinne) süddeutschen Raum (also südlich der sogenannten "Mainlinie") gebräuchlich ist, nenne ich ober- oder süddeutsch. Wörter wie "Baum",
"Holz" und "Tisch" nenne ich deutsch, weil sie eben nicht nur in Österreich, sondern im ganzen deutschen Sprachraum gebräuchlich sind.
Vastehst? Host mi? Kapiert?

I Di schoo, ...
11.11.2007 von JoDo

"Vastehst? Host mi? Kapiert?"

Das Thema beschäftigt mich schon seit ich mich mit unserer Sprache befasse, also schon eine Weile.

Mich stört beim Betrachten von Sprachkarten, z.B.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Bairisches_Munda...
dass da EIN Sprachgebiet (Mittelbairisch) von Augsburg bis Ödenburg ohne jede weitere Differenzierung sich wie ein Strudelteig durchzieht, andererseits soll da angeblich durch die Nördliche Längstalfurche eine Sprachgrenze gehen (?).

Da hat sich mein Wiederstandsgeist geformt. Alles muss ich den "Fachleuten" auch wieder nicht glauben, bei denen wahrscheinlich der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen ist.

Mir fallen z.B.: immer mehr Ähnlichkeiten zwischen Kärntnerisch und Wienerisch (richtiges Wienerisch, nicht Mundl) auf, obwohl beide Gebiete zu jeweils anderen Dialektregionen gehören sollen, das heisst, wenn wir einander sooft missverstehen, dann nicht wegen der sprachlichen Unterschiede, sondern den Ähnlichkeiten!

Auch finde ich es seltsam, dass die Sprache, die bei uns Identität stiftet, und die uns eindeutig als Österreicher erkennbar macht, Bairisch heissen soll, von dem es zweifelsohne vor 1200 Jahren abstammt, aber sich seit 800 Jahren WEGBEWEGT.

Also, würde man mich fragen, dann würde ich Bairisch und Österreichisch sehr wohl auseinanderhalten und nicht in einen Topf hauen.

Owa mi frågt jå kana.

11.11.2007 von Gerfrei

Gerfrei @JoDo:"Bairisch", "Bayrisch-Österreichisch", "Mittelbairisch"

Die bairische Großmundart wird auch als "Bayrisch-Österreichisch" bezeichnet, was sicher in Deinem Sinne ist. Irreführend ist der Titel des
"Bayrisch-Österreichischen Wörterbuches". Während die in Wien
bearbeitete Abteilung, das "Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich", wie der Titel besagt, nicht die alemannische Mundart in Vorarlberg und im tirolischen Außerfern erfaßt – es gibt ja ein eigenes
"Vorarlberge Wörterbuch" – , beschränkt sich die in München bearbeitete Abteilung nicht auf das Bairische in Ober- und Niederbayern und in der Oberpfalz, sondern erstreckt sich auch auf das Schwäbische und das Fränkische im Freistaat Bayern.

Selbstverständlich gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem Nord-, Mittel- und Südbairischen, also auch zwischen dem Wienerischen, einer ostmittelbairischen Stadtmundart, und dem zum Südbairischen zählenden Kärntnerischen. Aber die Gemeinsamkeiten zwischen dem Mittelbairischen in Bayern und jenem in Österreich sind – abgesehen
von einigen "Teutonismen" und "Austriazismen" – rein dialektologisch betrachtet doch stärker. Rate einmal, welchen Regionaldialekt Franz Freitag für seine 1935 von der Universität Wien approbierte Dissertation
"Beiträge zur Syntax des Mittelbairischen" untersucht hat. Nun, ich will Dich nicht auf die Folter spannen: Er hat die Mundart der Pfarre (und jetzigen Großgemeinde) Kautzen im niederösterreichischen Waldviertel untersucht.

Recht interessant!
11.11.2007 von JoDo

Ich glaube auch, wir gehen im Großen und Ganzen konform, trotzdem werde ich den Verdacht nicht los, dass "dunkle" Kräfte das Thema gemeinsame Sprache für ihre jeweiligen Zwecke missbrauchen wollen, und habe diesbezüglich ein ganz ungutes Gefühl.

Ich bin kein Deutschnationalist und kein Österreich-Nationalist und auch kein "Bajuwarischer Befreier" (Franz Fuchs), ich bin natürlich Patriot und liebe mein Land, möchte aber deswegen keinen Keil zwischen uns und unsere Nachbarn treiben, weder, indem unsere Sprache die der Anderen bevormundet, noch umgekehrt.

So einfach, wie es sich die Sprachforscher machen, ist es sicherlich nicht!

Nachtrag (ob´s jetzt passt oder nicht ... )

Schluß eines Interviews mit Otto (von) Habsburg in der Presse

Die Presse: Sie sagten einmal, Österreich sei mehr als dieses kleine Land. Was meinten Sie damit?

Habsburg: Für mich ist in diesem gesamten Donaukomplex dieses kleine Österreich nicht alles. Dieses mörderische Wort von Georges Clemenceau (Frankreichs Premier 1917–1929; Anm.), „der Rest ist Österreich“: Das ist einfach nicht wahr. Österreich war immer was Größeres. Gehen Sie doch in die Bukowina. Es ist doch unglaublich, was dort weiter für ein österreichischer Geist existiert. Dieser Sinn für die österreichische Kultur ist doch enorm. Ganz gleich übrigens, ob Rumänen, Ukrainer oder Juden. Czernowitz ist eine österreichische Stadt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2007)
http://www.diepresse.at/home/panorama/oesterreich/...

Re: Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?
25.02.2008 von austrobayer

Dieses Thema liegt mir schwer am Herzen. Ich finde das hier ein extremer Gegensatz konstruiert wird der in dieser Art gar nicht besteht. Der Gegensatz zwischen Österreich und Bayern bzw. Süddeutschland auf sprachlicher Ebene.
Österreichisch-Deutsch was heißt das. Deutschland ist in seinen Landschaften und Dialekten so extrem verschieden das man doch nicht alles vereinheitlichen kann. Auch nicht die Deutsche Hochsprache, die wird in Hamburg, Berlin, Köln oder München von den jeweiligen Einheimischen natürlich jeweils anders gesprochen.
Wobei der Unterschied hochsprachlich zwischen einem echten Wiener und einem echten Münchner nicht so groß ist.
Der Dialekt in München ist dem Niederöstereichischen sehr ähnlich, die Ausprache und der Tonfall ist etwas anders, aber es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten. Ob man im Osten Österreichs ans, zwa und daham wie in Franken sagt oder in den Bergregionen Niederösterreichs, im halben Oberösterreich, Salzburg, Tirol und der Steiermark oans, zwoa und dahoam wie in Bayern sagt , beweist doch keine seperate österreichische Sprache.
Natürlich gibt es in jeder Dialektregion verschiedene Ausdrücke und Bezeichnungen, aber die gibt es wie bereits oben erwähnt auch in den vielen verschiedenen Deutschen Regionen und nicht nur in Wien, Ostösterreich, Kärnten oder Tirol. Durch die österreichische Monarchie sind natürlich auch andere Wörter in die Sprache eingeflossen.
Aber Marillen und Palatschinken und einige weitere Ausdrücke sind auch in München schon bekannt.
Das wirklich interessante ist ja , das in Österreich meistens Wörter verbreitet sind die in Bayern fast garnicht benutzt werden. Tschüß zum Beispiel, hier sagt man Pfiat di oder Servus. In Niederösterreich und Wien hört man sehr viel Tschüß.
Tischler, Fleischhauer sind rein Norddeutsche Ausdrücke die man in Bayern nicht findet. Es gäbe noch eine ganze Reihe anderer Beispiele aber soviel für heute zu einem unendlichen Thema, bei dem sich ein teil der :| Österreicher immer mit aller Gewalt von Deutschland abgrenzen will oder muß??

Re: Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?
26.02.2008 von Weibi

Tschuldigung,
will mich nicht in eure hochinteressante Diskussion, zu der ich, als nicht Sprachgelehrte, eigentlich nichts sagen kann, einmischen.
Trotzdem, ich muss was loswerden, und so sag ichs mit Ferdinand Raimund, und es betrifft nicht euch, die ihr hier in dieser Diskussion mitmischt's, ok? Ist nur eine spontane (und vielleicht etwas gallige) Reaktion auf die eingänglichen Zeitungsartikel.

1. Strophe aus dem Hobellied (Der Verschwender)

"Da streiten sich die Leut' herum
oft um den Wert des Glücks,
der eine heisst den andern dumm
am End weiss keiner nix!
Da ist der allerärmste Mann
dem andern viel zu reich,
das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt alle gleich!

In fuchz'g Joahr, vielleicht red ma eh olle Englisch und donn eribrigt sich eh' Olles. I persenlich werd's neamma dalebn, vielleicht is eh a guat so.

lG, Weibi

Reden wir da aneinander vorbei?
08.03.2008 von JoDo

Also, wenn ich an "Österreichisches Deutsch" denke, dann fallen mir spontan die legendären Fenstergucker-Sendungen aus längst vergangenen Fernsehtagen ein, mit der unvergesslichen Stimme von Ernst Meister.
Das war nicht Dialekt, das war Hochdeutsch vom Feinsten, trotzdem unverkennbar österreichisch. Das war nicht gemütlich, nicht schlampig, nicht grammatikalisch oder syntaktisch falsch, das war einfach perfekt, trotzdem österreichisch.
Ebenso möchte ich alle auf unseren Radiosender Ö1 aufmerksam machen, der mich täglich seit über vierzig Jahren akustisch begleitet, und auf dem (fast) durchgehend ein Beispiel für gutes Deutsch österreichischer Provenienz gegeben wird.
Was für eine Sprache praktizier(t)en oder besser leb(t)en Richard Eybner, O. W. Fischer, Wolfgang Gasser, Miguel Herz-Kestranek, Wolfgang Hübsch, Paulus Manker, Johanna Matz, Josef Meinrad, Dorothea Neff, Susi Nicoletti, Elfriede Ott, Dorothea Parton, Karl Paryla, Romuald Pekny, Erika Pluhar, Walther Reyer, Albin Skoda, Curth Anatol Tichy, Jane Tilden, Oskar Werner, Paula Wessely, Gusti Wolf, ...? (sträflich verkürzte Liste)
Und da soll noch einer sagen, das wäre zweitklassig!?

Re: Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?
09.03.2008 von Eberndorfer

J. Ransmayr: "(Oesterreichisches Deutsch) wird zwar für gemütlich und sympathisch, aber von den Lehrenden für zweitklassig, altmodisch bzw. fehlerhaft gehalten und daher an den meisten ausländischen Universitäten auch nicht unterrichtet."

Man kann natuerlich alles untersuchen wofuer man ein Stipendium bekommt. Aber, wer an auslaendischen Universitaeten "oesterreichisches Deutsch" erlernen will, ist selber schuld.

Zu untersuchen gewesen waere, ob so fuerchterlich oesterreichisches Deutsch sprechende oesterreichische Professoren a) in der Lage sind an auslaendischen Universitaeten Hochdeutsch zu unterrichten, und b) ob es in dieser Hinsicht seitens des Auslands Beanstandungen gegeben haette.

a) Selbstverstaendlich!
b) Keine Ergebnisse, weil keine Frage

a) Wenn nicht, ist nicht das Oesterreichische Deutsch daran schuld, denn es ist an dieser Frage so unbeteiligt wie bairisch, ungarisch oder tschechisch, sondern der Germanistikunterrricht an oesterreichischen Universitaeten, dessen Germanistik-Professoren logischerweise auch Hoch-Deutsche sein koennen.

Die Muttersprache eines Menschen hat nichts mit der Beherrschung seines Berufes zu tun!

Re: Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?
09.03.2008 von JoDo

Aus einem Artikel von Ulrich Ammon in der "WELT" vom 11. Juli 2000
http://www.welt.de/print-welt/article522468/Erdaep...
... Die Meinungen, die bei uns (der Autor Ulrich Ammon ist Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Duisburg) über Deutsch in Österreich kursieren, sind nicht nur oft falsch, sondern wirken dort auch arrogant. Den Gipfel bildet die Behauptung, österreichisches Deutsch sei einfach Dialekt, nur deutsches Deutsch also richtig. In Wirklichkeit handelt es sich um zweierlei, gleichberechtigtes Deutsch. Natürlich wird in Österreich Dialekt gesprochen - wie bei uns auch. Nach wissenschaftlicher Einteilung ist der Dialekt in Österreich Bairisch (die Österreicher sagen lieber "Bairisch-Österreichisch"), ähnlich dem Dialekt im deutschen Bundesland Bayern (man achte auf die unterschiedliche Schreibung!) In der Öffentlichkeit jedoch wird wie hier Standarddeutsch gesprochen, aber eben österreichisches. ...

Re: Tagesthema: Österreichisch - zweitklassig?
10.03.2008 von Halawachl

Was soll das, Leute?! Ob und wieviele österreichische Professoren in Deutschland oder sonstwo falsches Deutsch oder richtiges Österreichisch oder Suaheli mit italienischem Akzent unterrichten, interessiert mich äusserst wenig.
Vive la nuance! Vive la difference! Hlw.

Re: Sprache mit Seele, NZZ Online, 16. März 2007, 06:58
12.01.2010 von Koschutnig

Lange hatten die Österreicher Angst davor, mit ihrer speziellen Variante des Hochdeutschen provinziell zu wirken [...] an jenem 31. März 1994 wurden von einem kleinen Grüppchen hochrangiger österreichischer Landesvertreter jene 23 Wörter festgelegt, für die man in Europa Rechtsstatus erwirken wollte. [...] Die Gründungsurkunde eines neuen österreichischen Selbstbewusstseins war umweht von Küchenduft [....] Ausdruck der nationalen Identität. 23 Wörter! Die Herren Landesvertreter hätten in ihrer heldenmütigen Rebellion wider den Geruch des Provinziellen zuvor ein
"Den wienerischen Köchinnen gewidmetes Kochbuch: Enthaltend alle Arten von Speisen sowohl an Fleisch- als Fasttagen auf das geschmackhafteste zu bereiten, nebst einem Unterricht von Backereyen und Konfekturen" der Josepha Grossmann, "vormals gewesener herrschaftlichen Köchinn", Wien 1795, studieren sollen!

Das wundervolle Opus der "Joh. Grassmannin" [sic!] wird allerdings von einem Herrn Dr.Johann Heinrich Becker, "Herzoglich Mecklenburgisch-Schwerinischer Hofrath und ausübender Arzt zu Parchim in Mecklenburg" in seinem "Versuch einer allgemeinen und besondern Nahrungsmittelkunde: Versuch einer Literatur und Geschichte der Nahrungsmittelkunde", Band 1, Stendal 1810, in der "V. Abtheilung: Schriften, welche von der Zubereitung der Nahrungsmittel überhaupt handeln ", Abschnitt "Scripten, welche specielle Anweisungen und Vorschriften zur Zubereitung der Nahrungsmittel enthalten" unter Nr. 630 (Seite 242f.)
http://tinyurl.com/ye3yyuk
wie folgt beurteilt:
"Gut! doch der vielen Provinzialismen wegen unverständlich"

Die Besprechung in der Allgem. Litt.-Zeitung vom Jahre 1797, Spalte 518 f. ( unter http://tinyurl.com/ye4vwwk "Seite" 528 ) führt eine Reihe jener gar befremdlichen Begriffe des Wiener Küchendeutsch-Provinzialismus (z.B. Obersschöberl, Semmelknetterl, Ollosuppe) an.

Unter Nr. 127 wird von Dr. Becker auch ein anderes in Wien erschienenes Werk eines "ehem. ordentlichen und öffentlichen Lehrers auf der Hohen Schule zu Wien, Mitglieds der Römisch-Kaiserl. Akademie der Naturforscher und der Botanischen zu Florenz ", nämlich Sr. K.K. Ap. Majestät Rath
Heinrich Johann Nepomuk Crantz': Medizinisch und Chirurgische Arzneymittellehre, 1. Band, 1. Theil: Getreidarten, Hülsenfrüchte, Pflanzengemüse, Wurzelgemüse. Eine freye Übersetzung aus dem Lateinischen mit vielen Anmerkungen, Zusätzen und Verbesserungen von Xaver Jos. Lippert, Wien 1785,
http://tinyurl.com/ycmmhsx oder http://tinyurl.com/yedhnp9
" vieler Provincialismen und mancher den Sinn entstellenden Ausdrücke " wegen verdammt. http://tinyurl.com/y8watk2 (Seite 152 f.)

Verfasst wurden die ob ihrer provinziellen Sprache kritisierten Werke zu einer Zeit, als Wien die "Haupt- und Residenzstadt" des Heiligen Römischen Reiches "deutscher Nation" war!
Das vernichtende Urteil erfolgte, nachdem Franz II. das Kaisertum Österreich geschaffen und danach das Hl. Röm. Reich für erloschen erklärt hatte. Und seither..., doch s.o.!

K.


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
Und hier noch ein paar hilfreiche Links: Urbanes Wörterbuch Der Scrum Master Freie Presse News