Thema: Mist

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Mist
13.10.2007 von 1xEUROPA

Mist
13.10.2007 von 1xEUROPA

Hi,

wie ich in Wien gelernt habe, bedeutet in Österreich das Wort Mist etwas anderes als in Deutschland - nämlich Müll.

Wie aber wird dann das bezeichnet, was in Deutschland Mist heißt, nämlich die gebrauchte Heueinstreu aus dem Kuhstall? Heißt das hier auch Mist oder irgendwie anders?

Frage vom Hamburger aus Wien
Werner

Gleiches Wort für 2 Bedeutungen
13.10.2007 von Brezi

Mist ist in Österreich neben dem von dir genannten Müll auch alles, was in der Landwirtschaft an organischem Abfall-, Kompostier- oder Streumaterial anfällt, auch oder sogar vor allem das, was im Norden "Dung" heißt ('Dunghaufen' heißen hierzulande durchgängig 'Misthaufen'. Das, worauf die Kühe und Pferde im Stall stehen, nennt man aber m. W. bei uns auch häufig '(die) Streu'. Vielleicht kann da aber ein Lw-Experte genauere Auskunft geben. Das Zeitwort 'ausmisten' bedeutet bei uns dasselbe wie im Norden.

Wir haben also definitiv sowohl für den Müll, den die "Mist(kübel)männer" abholen (1) und jenen, der in der Landwirtschaft anfällt (2), dasselbe Wort. Wenn hingegen etwas "Mist" im Sinne von "wertloses Zeug, Quatsch, 'Schrott, Müll' (im übertragenen Sinn) ist, dann sagen wir: "Des is a Dreck". Oder "Des is a Schaas/Schoas". Demgegenüber sagt K. Valentin sehr wohl in einem seiner Sketches: "Reden sie doch keinen solchen unreinen Mist!"

Redewendungen mit "Mist" in Bedeutung (1)

In den Mist schmeißen: in den Mülleimer werfen

Auf den Mist schmeißen: einer externen Abfallsammelstelle zuführen oder übertragen sich (von etwas Unbrauchbarem) trennen

"Steig ma net in' Mist!" Aufforderung (meistens eines Erwachsenen an ein Kind), doch nicht ausgerechnet in den Schmutz zu steigen, der soeben mit dem Besen zu einem Häufchen zusammengekehrt wurde.


Sprichwort zu Bedeutung (2):
Die schenste Sau gedeiht am Misthaufen. Das heißt ungefähr: ein klinisch reines Ambiente (auch im soziologischen Sinn) ist nicht notwendigerweise das Beste für die Entwicklung eines Individuums.

Ich hoffe damit gedient zu haben.

Brezi


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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