Thema: Übernahme 'unlogischer' Neologismen in die Standardsprache

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Übernahme 'unlogischer' Neologismen in die Standardsprache
13.08.2008 von Brezi

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert.“
14.08.2008 von System1

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äußerst unorthodoxe Schreibung unscheniert wandte. Aber vielleicht wird dieses Wort einmal
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se gêner (frz.) = sich genieren, Hemmungen haben, gehemmt sein
sich vor jemandem nicht genieren = vor jemandem ungeniert sein
Sie geniert sich nicht. = Sie ist nicht geniert. = Sie ist ungeniert.

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert.“ (Busch)


trotzdem ("richtig" oder "logisch" müsste es heißen: trotz dessen)
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Richtig: Die Präposition ‚trotz’ wird mit dem Genitiv verwendet. Dass dies nicht immer so war, beweisen Überbleibsel wie ‚trotzdem’ und ‚trotz allem’.
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,2...

Oft muss jedoch an Stelle von ‚trotzdem’ die Konjunktion ‚dennoch’ verwendet werden: Mit ‚trotzdem’ werden nur Hauptsätze eingeleitet; ‚obwohl’ und ‚obgleich’ leiten Nebensätze ein.

Falsch: „Trotzdem es regnete, ging er ohne Regenschirm los.“
Richtig: „Obwohl es regnete, ging er ohne Regenschirm los.“


urtümlich (bitte was ist ein Urtum? Ich kenne nur ein Altertum. Ins selbe Fach gehört "Urzeit" (das
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Das gemeindeutsche Adjektiv ‚urtümlich’ wurde vom Nomen ‚Urtümlichkeit’ abgeleitet; ‚altertümlich’ von ‚Altertum’.

„Urzeit ist ein gängiger aber unspezifischer Begriff, mit dem vor allem in populärwissenschaftlichen Publikationen, aber auch in der Poesie und Mythologie, sehr lange, sehr weit zurückliegende und damit schwer fassbare entwicklungsgeschichtliche Zeiträume der Materie und Lebewesen bezeichnet werden. Das Wort ist seit dem 17. Jahrhundert bezeugt und tritt ab dem 18. Jahrhundert häufiger auf. Es tritt häufig in Verbindung mit Präpositionen auf, wie z.B. seit Urzeiten ...“
http://de.wikipedia.org/wiki/Urzeit


einheimisch (bitte wie leitet sich das her? Sind die "Zugereisten" dann etwa Ausheimische?
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Eigentlich würde das Adjektiv ‚heimisch’ für ‚im Land geboren’ reichen (Gegensatz: fremd); aber dieses Adjektiv wird leider bereits in der Bedeutung ‚sich daheim fühlen’, ‚sich in einer Heimat fühlen’ verwendet.


Fußgänger (seit wann leitet man solche Hauptwörter vom Perfektstamm ab? Es heißt ja auch nicht "Liefer" und "Rannter", sondern "Läufer" und "Renner"
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Den ‚Geher’ gibt es ja; er ist jedoch ein Sportler.

‚Bittgänger’ kommt von ‚Bittgang’, ‚Fremdgänger’ von ‚Fremdgang’ und ‚Spaziergänger’ von Spaziergang. ‚Fussgang’ existiert nur noch als Familienname.


ich muss ins Haus(außer in einigen slawischen Sprachen und eben im Deutschen undenkbar und auch gar nicht verständlich:
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Richtig, in den Standardeutsch gehört zum Modalverb ein Hauptverb; die beiden bilden eine Satzklammer:

„Ich MUSS ins Haus GEHEN.“
„Du MUSST heute wieder zur Schule GEHEN.“


Feuerwehr(das müsste zumindest jedem aus dem Fach sauer aufstoßen, denn jeder Anfänger bei der Feuerwehr lernt in der ersten Lektion: Ein Feuer ist ein gewollter, unter Kontrolle gehaltener Verbrennungsvorgang. Ein ungewollter, unkontrollierter heißt Brand. Brandwehr müsste es also heißen.
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Eine interessante Definition. Quelle?

Deutschländisches Standarddeutsch: Brandwehr und Feuerwehr
Deutschschweizerisches Standarddeutsch: Feuerwehr und Wehrdienst(e)

‚Wehrdienste’ (ch) bekämpfen Brände und Hochwasser.

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Re: Übernahme 'unlogischer' Neologismen in die Standardsprache
31.03.2010 von Castor

Zu "trotzdem" ...

An deine Erwähnung dieses Wortes möchte ich lange zurückgehaltenes Wehklagen anschließen. Ein Synonym dieses Wortes ist "nichtsdestoweniger", und so erfand etwa in den Sechzigern ein Spaßvogel den Ausdruck "nichtsdestotrotz". Damals fand ich ihn noch spaßig, aber heute hört man ihn von allen Seiten an Stelle von "nichtsdestoweniger", auch in ernstgemeinten Kommentaren in Rundfunk und Fernsehen. In Langenscheidt-Wörterbüchern ist er als umgangssprachliche, scherzhafte Version von "nichsdestoweniger" angeführt, aber ich bezweifle, dass den meisten, die ihn verwenden, bewusst ist, dass es dieses Wort in der deutschen Sprache eigentlich nicht gibt. Kann man zugunsten von "trotzdem" noch anführen, die Präposition "trotz" wäre früher mit dem Dativ verwendet worden, fehlt "nichtsdestotrotz" jegliche semantische Grundlage.

Aus der gleichen Epoche beginnenden Verfalls stammt die adverbiale Verwendung von "echt" vor Adjektiven wie in "echt stark".

Da es in dieser Abteilung um Grammatik geht - auf welcher Regel beruht eigentlich die Phrase "Wehret den Anfängen!" ?

Re: Übernahme 'unlogischer' Neologismen in die Standardsprache
09.04.2010 von takacsbecs

trotzdem, Fußgänger, genieren

in älteren Schriften findet man die Wendung "dem zu trotze"


Der Fußgänger gehört offenbar in die gleiche Shachtel wie ddie Glasvitrine und der schwarze Rappe. Was sonst sollte man zum Gehen verwenden, wenn nicht die füße?

im Wienerischen gibt es den Ausdruck "genant sein" - oder isses jetzt "schenant sein?


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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