Dein Österreichisches Wörterbuch

abgesandelt (sein)

abgewirtschaftet (haben)


Art des Eintrag: Adjektiv

Erstellt am: 28.08.2013

Bekanntheit: 90%

Beurteilung: 3 | 4

Kommentar am 28.08.2013
von mhd. Verb "seinen" - mit Wiener Sprosskonsonant Dankbar wäre ich für Vorschläge zur Verbesserung des Eintrags.

• »Wien/Alpbach - Nach Einschätzung von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) ist Österreich in den vergangenen Jahren zum europäischen Durchschnitt "abgesandelt". Bis 2007 habe man wirtschaftlich mit den Besten wie Schweden und der Schweiz mitgehalten «(derStandard.at 21. August 2013)
»Eigentlich hätte ich abgestürzt sagen wollen, aber das war mir dann zu drastisch“, sagte der Kammerpräsident.« (KURIER.at, 22.8.13)

* »Fekter verteidigt "Abgesandelt"-Sager von Leitl. In der SPÖ gibt man sich weiter über den "Abgesandelt"-Sager von Christoph Leitl empört.« (DiePresse.com 22.08.2013)

• »Als „überzogen“ bezeichnet der Wirtschaftsminister die Aussage, Österreich sei „abgesandelt“.(Kurier 28.8.13)

• »"Österreich ist abgesandelt"- und das mit einer schwarzen Finanzministerin und einem schwarzen Wirtschaftsminister! Wirtschaftkammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) sieht rot.«(DiePresse.com - Zitate der Woche: [http://tinyurl.com/nhtars2] )

• »Sedlaczek am Mittwoch: Abgesandelt oder total am Sand? Das von Christoph Leitl popularisierte Wort hat eine interessante Etymologie« (Robert Sedlaczek in Wiener Zeitung.at, 28. August 2013)
[http://www.wienerzeitung.at/meinungen/glossen/571167_Abgesandelt-oder-total-am-Sand.html] -
Überaus lesenswert – auch wenn Sedlaczek den Konsonanten [d] als Vokal bezeichnet („Sprosskonsonant“ wäre die korrekte Bezeichnung).

GANZ etwas anderes allerdings ist dieses Düsseldorfer "abgesandelt": » Im Natursteinbereich wurde ein Gewebe mit ARDEX EP 2000 vollflächig eingebettet und mit ARDEX-FIX Blitzspachtel auf Null gezogen, abgesandelt mit ARDEX QS.« (ardex.de/referenzen)

Kommentar am 28.08.2013
Dass "ein sprachlich eher ungebräuchliches Wort" - so Andreas Unterberger, der abgehalferte Chefredakteur der "Presse" tagebuchbloggend in "Abgesandelt und abstürzend" ([http://tinyurl.com/ozlltcb)] - sehr schnell populär werden kann, zeigen die Verwendungen der letzten Woche:
• »Nicht abgesandelt und grauslich zu Hause herumhängen. Jemand könnte ans Fenster klopfen...« (Schnuckelisis isis.soup.io/post/103098)
• »Abgesandelte Optimisten in der ÖVP« ([http://www.raketa.at/?fp_type=hot)]
• »Unsere Politik ist abgesandelt« (meme-generator.de) • »„Abgesandelt“ ist nur dieser Wahlkampf« (Kurier)
• »Dieser Wahlkampf ist "abgesandelt"«(Salzburger Nachrichten)
• »Die ÖVP wirkt auch ein wenig abgesandelt.« (politikon.at)
• »Koks ist besser als Bodybuilding und abgesandelt ist besser als schlüpfrig« titeln Josef Zorn und Peter Vogle ihre Besprechung des „Feuchtgebiete“-Films, und nach der Kritik an der Beschreibung des Films in den Medien meinen sie:
» Jedenfalls ist Feuchtgebiete eher noch „abgesandelt“ als „schlüpfrig“.« [http://www.vice.com/alps/read/filmbunker111-feuchtgebiete]

Kommentar am 28.08.2013
Ja! - Sedlaczek lesen: [http://www.wienerzeitung.at/meinungen/glossen/571167_Abgesandelt-oder-total-am-Sand.html]

Kommentar am 14.09.2013
Wie abgesandelt ist Österreich? [http://images01.kurier.at/46-57392243.jpg/620x460nocrop2/25.956.292]

Herkunft am 19.04.2019
Robert Sedlaczek hat zu dem vom damaligen Wirtschaftskammerpräsidenten Leitl wieder zum Leben erweckten Wort erklärt:

Abgesandelt oder total am Sand? [...] Es handelt sich um eine ... Verbalableitung zu Sandler, genauer: um ein Partizip Perfekt. Sandler geht nicht auf "Sand" zurück, wie man beim ersten Hinsehen glauben könnte. Im Mittelalter gab es das Verb "seinen" mit einer ganzen Palette an Bedeutungen, mit denen sich heute die Arbeit der großen Koalition umschreiben ließe: sich verspäten, etwas auf die lange Bank schieben, jemanden aufhalten oder an etwas hindern. Das dazugehörende Adjektiv diente dazu, langsame oder träge Menschen zu charakterisieren.
Wiener Zeitung, 27.08.2013:https://tinyurl.com/y54w4odv


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abgesandelt (sein)






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Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache kommen aus den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine umfangreiche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

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