Dein Österreichisches Wörterbuch

einen Unterschied Klavier spielen können wollen

Wendung, die ausdrückt, dass man einen Unterschied für bedeutsam hält


Art des Eintrag: Wendung

Erstellt am: 29.03.2014

Bekanntheit: 50%

Beurteilung: 2 | 1

Kommentar am 29.03.2014
Beispiel zur Verwendungweise
"Also den Unterschied in Anstand und moralischer Integrität zwischen Haidinger und der gesamten ÖVP-Spitze möchte ich Klavier spielen können."
Posting im Onlineforum des Standard anno 2008 - [http://derstandard.at/plink/3235135?_pid=8763511#pid8763511)]

Kommentar am 29.03.2014
Du - anachoret: Das Wort ist gut, aber mit der "Übersetzung" bin ich nicht einverstanden. Der Unterschied ist mMn nicht marginal, sondern riesengroß, wie Tag und Nacht.
(Nachtrag: Dass der Kommentar nicht mehr gilt, sieht man weiter unten, aber wegen der Kontext-Kontinuität muss er stehen bleiben.)

Kommentar am 29.03.2014
Ein bissel erschreckt hat mich das, dass die Frau Stadträtin den Unterschied Klavier spielen möchte.

[http://www.wien.gv.at/mdb/gr/2010/gr-060-w-2010-05-31-071.htm]

Sie haben immer eine sehr blumige Sprache, den Unterschied wollen Sie Klavier spielen können. Vielleicht sollten Sie einmal den Unterschied Klavier spielen, was es bedeutet, wenn man als Eltern von chronisch kranken und behinderten Kindern und Jugendlichen in dieser Stadt zurechtkommen muss.

[http://www.wien.gv.at/mdb/gr/2010/gr-060-w-2010-05-31-076.htm]

Könnte man den Unterschied Klavier spielen, dann klänge das Lied von "Mattersburg alt" und "Mattersburg neu" so ähnlich wie ein Wienerlied

[http://derstandard.at/1234508845825/Pannonischer-Blues]

Wenn ich den Unterschied Klavier spielen könnte, würde ich gemeinsam mit Rudolf Buchbinder in Grafenegg ein Klavierkonzert geben.

[http://www.seniorkom.at/0/Forum/?forumid=15&threadid=275886]

Kommentar am 29.03.2014
Völlig richtig ... ... ich habe mich, der ich die Wendung nicht kannte, ohne weitere Recherche durch einen zweideutigen Gebrauch in einem anderen Kontext in die Irre führen lassen. An folgendem Diskussionsstrang wird die gewöhnliche Bedeutung noch einmal klar:

"Re: Wozu auf Nordkorea oder Syrien schielen? Den Unterschied möchte ich Klavier spielenkönnen !
Re: Re: Wozu auf Nordkorea oder Syrien schielen? Der Unterschied ist wirklich ziemlich groß, aber nur ein gradueller. Vom Prinzip her ist es das gleiche: Andere Meinungen verbieten und bestrafen, man könnte ja sonst Argumente brauchen." (aus dem PRESSE-Forum anno 2014)


Obwohl es sich der Verbreitung nach eindeutig um einen Austriazismus handeln dürfte, geht der Ausdruck vermutlich auf den Berliner Autor Alfred Lichtenstein (1889-1914) zurück:

In der Lungenheilstätte

Viele kranke Leute gehen in den Gärten
Her und hin und liegen in den Hallen.
Die die Kränksten sind, verfiebern
Alle armen Tage in dem heißen
Grab der Betten.
Ach, katholische Schwestern schweben
Müd umher in schwarzen Gewändern.
Gestern ist einer gestorben. Heute kann einer sterben.
In der Stadt feiern sie Fasching.
Den Unterschied
Möchte ich Klavier spielen können.


Kommentar am 29.03.2014
Danke für die Recherche und Korrektur! JoDo

Kommentar am 29.03.2014
Österreichische Masseinheiten (schon oft zitiert ...)
Es gibt wahrscheinlich keine Sprache, die so unverbindliche Maßeinheiten hervorgebracht hat, wie die österreichische.
An die Aufforderung „noch a wengerl, a wengerl sitzen, a wengerl dableiben, a wengerl lustig sein“ finden wir gar nichts Bemerkenswertes mehr – aber wie lang dauert „a wengerl“? Wahrscheinlich kann auch niemand erklären, woher sich folgender Satz ableitet, wenn wir gefragt werden, ob wir beispielsweise noch den Zug erwischt haben?
„Oba ums Oaschlecken net!“ Ich glaube, wir haben den Zug nicht mehr erwischt.
Weitere offene Fragen zu österreichischen Maßeinheiten: Was ist ein „Trumm“? Was ist ein „Eckhaus“? Was ist ein „Futzerl“? Ein „Futzerl“ kann, je nach Größe zum „Eckerl“ oder „Stückerl“ mutieren, wenn’s wesentlich größer ist, dann wird daraus ein „Trumm“ oder aber auch ein „Mordstrumm“!
Beispiele gefällig: „Des is an trumm Madl“, „I hab a Eckhaus verdient“, „Für des Futzerl strenst di soo an?“
Ganz anders verhält es sich mit „a bisserl“. Beispiel: „Des is a bisserl vü!“ oder „No, des is a bisserl wenig“. „Bist a bisserl deppert?“ – klingt ja schon ein „bisserl“ harmlos.
Wieviel – bitteschön – ist ein „bisserl“? Denken wir an unseren letzten Einkauf: „Darf’s a bisserl mehr sein?“
Erinnern wir uns an den letzten Heurigenbesuch oder unser Stammwirtshaus: Wieviel ist ein „Tröpferl“, ein „Schluckerl“, ein „Glaserl“, ein „Flascherl“?
Um welche Mengen handelt es sich wirklich, wenn jemand sagt: „I bin den ganzen Nachmittag a Stund rumgrannt, i war in 96 G’schäftln, hab’ 17 Sakkos in 80 verschiedenen Größen probiert, ka anziges hat passt, bis auf zwa, di san gar net so schlecht“ – alles klar?
Wenn jemand sehr lange weg war, kommt die Frage: „Heast, wo woast denn?“ Die klare Antwort darauf: „No, des woar a brader Weg!“ – Wie lang war der Weg? Aber er wollte ja ohnehin nur auf „an Hupfer“ vorbeikommen… Wie lange der „Hupfer“ dauert, kann wirklich niemand vorausahnen.
Schwieriger wird’s, wenn jemand um „a Euzerl“ daneben liegt, kann man auch um „zwei Euzerln“ daneben liegen – früher waren anscheinend „10 Euzerln“ ein „Euz“ – oder doch nicht?
„Na, den Unterschied möchte ich Klavier spielen können!“ – bezieht sich, wie wir wissen, auf verschiedene Lebenslagen – oder man hat sein Ziel um „ein Haus“ oder ein „Eckhaus“ verfehlt.
Hier zitiert aus:
[http://www.wienernaschmarkt.eu/blicke_17.html]
steht aber auch so ähnlich hier:
[http://www.ostarrichi.org/forum/viewtopic.php?f=3&t=686]

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einen Unterschied Klavier spielen können wollen






Österreichisches Deutsch definiert die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich benutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache kommen aus den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
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