Dein Österreichisches Wörterbuch

Harsch , der

getauter und wiedergefrorener Schnee


Art des Eintrag: Substantiv

Erstellt am: 29.05.2006

Bekanntheit: 100%

Beurteilung: 2 | 0

Kommentar am 29.12.2013
Soll "Harsch" tatsächlich ö-spezifisch sein? Im online-Duden findet man keinen Hinweis darauf!
- [http://www.duden.de/rechtschreibung/Harsch]
" Harsch, der
Wortart: Substantiv, maskulin
...
Bedeutung: hart gefrorener, eisverkrusteter Schnee"
- [http://www.duden.de/rechtschreibung/verharschen#Bedeutunga]
"Bedeutungen harsch, zu Harsch werden"

Außerdem:
- [http://de.wikipedia.org/wiki/Harsch]
" Harsch bezeichnet:
- Altschnee in der Schneekunde, siehe Schnee#Alter
- Bruchharsch, oberflächlich angetauter und plattig überfrorener Tiefschnee"

- [https://de.wikipedia.org/wiki/Schnee#Alter]
Auch hier kein Hinweis auf ein ö-spezifisches Wort. Es kann jedoch sein, dass die Bekanntheit des Wortes im deutschsprachigen Raum Richtung Süden zunimmt - entsprechend der Schneehäufigkeit.

Kommentar am 30.12.2013
Immerhin oberdeutscher Herkunft:
Das Substantiv Harsch m. ‘gefrorener Schnee, Schneekruste’, ist ein altes Wort der obd. Mundarten und im 19. Jh. in die Literatursprache eingegangen.
Früher schon bezeugt sind die Ableitungen harschen und verstärkend verharschen ‘hart, krustig werden’ vom Schnee und von der Wunde (beide 17. Jh.; ‘verharschen’ ist vereinzelt schon Anfang des 15. Jhs. nachweisbar)

Hingegen stammt das Adjektiv harsch Adj. ‘hart, rauh, eisig’, übertragen ‘barsch, unwirsch’ aus dem Niederdeutschen (mnd. harsch ‘hart, rauh’). Es gelangte Ende 17. Jh. in die Literatursprache.
(nach Wolfgang Pfeifer, Etymolog. Wb)


Kommentar am 30.12.2013
"Harscht" - von verharscht? Beim Polarforscher und Friedensnobelpreisträger Fridtjof Nansen findet sich der "Harscht"
(leider ist der Übersetzer unbekannt, doch da der Text mit "Es war am Sonnabend, 26. Januar" beginnt, war's sicher kein Österreicher!):
"Ich ging über den Firn und stand bald auf der andern Seite, wo er in ununterbrochener glatter Fläche anderthalbtausend Fuß nach dem Kaldesee abfällt – immer schroffer und schroffer. Der Schnee war vom Winde glatt und hart zusammengepackt; hier und da gab es einige Wehen, zuweilen etwas Harscht. Es konnte schwer werden für die Schneeschuhe, die Richtung einzuhalten. [...] Die Schneeschuhe rutschten auf dem gefrorenen Schnee. Ich fiel und bekam von dem Harscht einige schlimme Risse am Handgelenk." ("Auf Schneeschuhen übers Gebirge Von Bergen nach Kristiania. Bergen, im März 1884", in F. Nansen: "Freiluftleben", erschienen 1920)

Kommentar am 01.01.2014
Woher kommt "Harscht"? siehe:
- [http://www.sagen.at/doku/kinderreime/fensterliadln.html]

"Bin i gången üba Schnea und Harscht,
ist miar gwåchsn an ellnlånga Bårscht;
bin i gangen üba Såchsn,
ist er miar no länga gwåchsn;
bin i gangen üba'n Fearn,*
håb i mi låssn schearn.
Feins Diandl,
magst nit a so an hålbfotzetn Buam gearn ?

* Fernpaß"

Hier findet man Harscht in einem in Dialekt geschriebenen Lied. Als Quelle ist hier nur "Quelle: Karl Horak, Volksüberlieferungen aus Wattens und dem Wattental, in: Wattener Buch - Beiträge zur Heimatkunde von Wattens, Wattenberg und Vögelsberg, Schlern-Schriften, Innsbruck 1958, S. 289 - 308." angegeben, nichts über die tatsächliche Herkunft nach Ort und Zeit.

Kommentar am 02.01.2014
Mehr bayerischer Harscht * Eine besondere Erscheinungsform des Schnees ist der "Harscht". Darunter versteht man die zu einer zusammenhängenden Decke gefrorene Oberfläche des Schnees. Wenn diese Decke nicht tragfähig ist, wird sie als "Bruchharscht" bezeichnet. [...] Äußerst unangenehm kann der Harscht am steilen Hang werden, wenn er nicht trägt und unterhalb tiefer Pulverschnee liegt. (Josef Ittlinger: "Handbuch des Alpinismus", 1915. Ittlingen ist in Ostbayern)

* In Oberbruck (Tirschenreuth, Oberpfalz, Ostbayern ?):
Die Oberbrücker haben eine saubere Zunft
harum ditscharum dischrum schrum schrum
am Bruchweg halten sie Zusammenkunft
harum ditscharum schrum schrum

Eschenskier, Birkenskier, schrum schrum schrum
Bambusstöcke, Haselstöcke, schrum, schrum, schrum
Bei Tag und bei der Nacht durch Pulverschnee und Harscht
mit den Latten, mit den glatten mit den schrum schrum schrum

Die Oberbrücker haben einen sauberen Gesang
als klapperten zwölf Brettel am vereisten Hang
Die Oberbrücker haben jeder zwei paar Ski
das eine das ist Esche und das andere Hikory



Kommentar am 02.01.2014
Zu "Bruchharsch", also ohne "t", schreibt Wiki: "Bruchharsch, auch Schmelzharsch, bezeichnet eine Schneeoberfläche, die nach Erwärmung, beispielsweise durch direkte Sonneneinstrahlung, antaut und durch Abkühlung, meist nachts, wieder verfestigt wurde. Unter der oberflächlichen Eiskruste ist der Schnee trocken und pulvrig. Die Entstehung von Bruchharsch wird auch Schmelzumwandlung genannt.
Dieser Harschdeckel besitzt je nach Stärke eine sehr unterschiedliche Tragfähigkeit, was das Befahren mit Skiern sehr anspruchsvoll gestaltet: Man sinkt zum Beispiel bei der Kompression einer Kurve ein, wohingegen zwischen den Schwüngen die Kruste trägt." ([http://de.wikipedia.org/wiki/Bruchharsch)]

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Harsch






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Monarchie entlehnt. Eine umfangreiche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein erheblicher Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; manche dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
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