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Bumstinazi



(tlw. lautmalerischer) Ausruf des Erstaunens über einen Knall, Stoß, Fall, eine Explosion oder aber auch angesichts einer unerwarteten Sache oder eines überraschenden Vorgangs.


Erstellt von: blutsturz
Erstellt am: 05.02.2007
Bekanntheit: 100%  
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Kommentare (8)


Zur Herkunft findet sich in Karl Fallends "Unbewußte Zeitgeschichte in Österreich - Psychoanalytische Betrachtungen über das Fortwirken des Nationalsozialismus" folgende Passage: "Manche mögen folgendes Beispiel zurückweisen, aber es sollten jene gehört werden, die es erzählen. Bis heute ist es weit verbreitet, kleinen Kindern, die tollpatschig etwas fallen lassen, nicht mit 'Hoppala', sondern mit einem zärtlichen 'Bumstinazi' den Schrecken zu lindern. Einmal nachgefragt, erfuhr ich, daß dieses liebliche 'Bumstinazi' aus den dreißiger Jahren in Erinnerung ist, als man auf diese Weise Sprengstoffattentate der illegalen Nationalsozialisten, leicht verschlüsselt, zustimmend kommentierte. Eine Zustimmung, die sich in kindlicher Sprache konserviert und entfremdet erhalten konnte."
blutsturz 05.02.2007


Sehr interessant!
So leicht kann Sprache misbraucht werden! Ich selbst war erschrocken, als ich erfuhr, was: "...bis zur Vergasung..." eigentlich bedeutet.
JoDo 05.02.2007


also bei solchen volksetymologien "...bis zur vergasung" wäre ich schon ein wenig vorsichtig. klingen so nach antifaschistischer propaganda. "geh dich brausen", hat ja auch nichts mit den vergasungen zu tun, sondern ist die anweisung eines fußballtrainers, an den, den er aus dem spiel genommen hat, heißt also nicht: "ich wünsch dir dir tod", sondern "schluß für heute".
avenarius 04.04.2008


ich kenns nur als "bumstinazl" da wäre der ignaz dann enthalten.
avenarius 04.04.2008


Siehe:
http://www.werkblatt.at/archiv/39fallend.html
JoDo 04.04.2008


Meine kindlichen Stürze
wurden mit 'bumsternazl' kommentiert.
ChrisB 27.08.2008


Nachweise bei Karl Kraus
Nachweise im Online-Archiv der "Fackel" ( http://corpus1.aac.ac.at/fackel/) von Karl Kraus:

F 357,38 (1912)
"der nach jedem Meter Bumstinazi macht"

F 384,2 (1913)
"erschrecken und, bumstinazi, unten liegen."

F 632,10 (1923)
der nom de guerre »Bumstinazi« so wenig Zuspruch findet.
System1 07.02.2010


Danke System für die fundierte und belegte Aufklärung!

So leicht kann Sprache mißbraucht werden (@JoDo)! Schreibt einer (blutsturz) eine hahnebücherne, verballhornte "etymologische" Erklärung - und schon wird ein vollkommen harmloses (Kinder-)Wort zu einem NS-zustimmenden Kommentar!

Und auch "bis zur Vergasung" heißt stammt angeblich aus dem 19. Jhdt., kommt aus der Chemie und heißt, bis die (feste) Substanz vollkommen in den gasförmigen Zustand übergegangen ist, also flüchtig und weg ist. Also bis zum (manchmal mühlseligen) Ende. Hat also ebenfalls mit NS-Ideologie gar nichts zu tun (auch wenn es für unsere Ohren natürlich furchtbar klingt). So leicht kann Sprache mißbraucht werden ...
Yeti59 28.09.2015





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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
Und hier noch ein paar hilfreiche Links: Atlas Körper Zentrum Urbanes Wörterbuch Bairisch