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Schradl, Schrattl , der, -s, -(n)

Alb, Kobold, Schrat(t), Dämon im Hühnerhof; durch ihn verursachte Hühnerkrankeit; schlimmes Kind (Burgenland)


Art des Eintrag: Substantiv

Erstellt am: 11.09.2016

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Kommentar am 11.09.2016
s. Schradl = Stechpalme (Feber 2008, mit Artikelangabe 'der') und 8 Jahre danach: Schradl = Stechpalme (18. Mai 2016)

Zu Zeiten erheben die Hühner in der Steige ein ungewöhnliches Geschrei, als ob ein wildes Tier unter sie gefahren wäre. Sieht man nach, so findet man sie verrupft, mit zerzausten Federn und ermattet. Der Schradl hat sie geritten. (Unter Schradl denkt man sich ein Gespenst und bezeichnet mit dem Ausdruck auch die Krankheit, welche durch dieses Gespenst verursacht wird.) Im Garten des Gebirgsbauers findet man häufig die Stechpalme gezogen, deren Blätter von Zeit zu Zeit in die Hühnersteige gelegt werden, um das Geflügel vor dem Schradl zu bewahren. Die Pflanze aber nennt das Volk auch Schradl.
Carl Calliano, "Niederösterreichischer Sagenschatz", Wien 1924, Bd II, sagen.at:http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/mostviertel/schradl.html
Schradl bedeutet Kobold oder Gespenst. Gerhard Hauptmann hat in diesem Sinne eine "Frau Schratt" in seiner "Versunkenen Glocke" eingeführt. Wenn die Hühner nächtlicherweile großen Lärm erheben und die Leute sie hernach zerrupft finden, so heißt es in der Oetschergegend: "Der Schradlhat sie geritten." […] Gegen den Schradlwerden die Zweige von Ilex aquifolium in die Hühnersteige gelegt.
. E. M. Kronfeld, Zauberpflanzen und Amulette, Wien 1898, S. 34f , Sagen.at:http://www.sagen.at/doku/zauberpflanzen/i.html
(Ob Frau Schratt dämonisch den guten alten Kaiser F-J. nächtlicherweise aufgesucht hat? Oder gab's dagegen ein Schrattlgatterl?)

Kommentar am 11.09.2016
Im Burgenland äußert sich der ungut wirbelnde Dämon wohl u.a. (Haare, Wind) auch im Verhalten von so manchem Kind, was zur Folge hat, dass das –(e)l als Verkleinerung empfunden wird und das Wort zum Neutrum wird, wie man auf einer Mundartseite des Burgenlandes liest:
Schradl s: Haarwirbel; schlimmes Kind; böser Dämon, der die Hühner bei der Nacht zerrupft; Teufelchen; teuflischer Wind
mundart-burgenland.at :http://tinyurl.com/gqo8cvm


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Schradl, Schrattl






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und des Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe zu verwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch verschiedene regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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