Dein Österreichisches Wörterbuch

Mist

Müll


Kategorie: Stadt

Erstellt am: 22.06.2006

Bekanntheit: 33%

Beurteilung: 3 | 0

Kommentar am 05.01.2008
Die Hauptbedeutung von Mist ist natürlich: Tierische Ausscheidungen vermischt mit Einstreu. Das ist aber allgemeindeutsch. Darüberhinaus hat "Mist" in Ö mehrere Nebenbedeutungen, alle in Zusammenhang mit Abfall. Hier eine.

Kommentar am 02.01.2013
Sogar der "heilige" DUDEN verzeichnet die österreichische Variante als eine von sechs:
Zitat:
Miṣt, der;-[e]s [mittelhochdeutsch, althochdeutsch mist, ursprünglich = Harn, Kot]:

1. a) mit Stroh, Streu vermischte Exkremente bestimmter Haustiere, die als Dünger verwendet werden:
eine Fuhre Mist;
der Mist dampfte;
Mist fahren, ausbreiten, streuen;
Die Wiederverwendung bestand in der Landwirtschaft in der natürlichen Düngung mit Mist und Jauche (Gruhl, Planet 82);
nicht auf jemandes Mist gewachsen sein (umgangssprachlich; nicht von jemandem stammen, von jemandem erarbeitet, ausgedacht sein: diese Ideen sind nicht auf deinem Mist gewachsen, die hast du gestohlen);

b) Misthaufen:
der Hahn steht auf dem Mist;
Küchenabfälle auf den Mist werfen;
die alten Kleider kannst du ruhig auf den Mist werfen (wegwerfen);

c) (österreichisch) Müll:
Wenn Sie Ihren Mist, sortenrein getrennt ... selbst zum Recyclinghof bringen (Kronenzeitung 10. 93, 31);
Wir und unsere Kinder wollen nicht im Mist ersticken! Die neue Verpackungsordnung zeigt den richtigen Weg (Kurier 2. 10. 93, 24).

2. (umgangssprachlich abwertend)
a) als wertlos, unnütz, lästig angesehene Gegenstände, Sachen:
ich werfe den ganzen Mist weg;
was hast du denn da für einen Mist gekauft?;
mit solchem alten Mist kann man nichts mehr anfangen;
Erst mal müssten wir den ganzen Mist auf den Sperrmüll stellen, die schauderhaften Möbel und Gardinen und den ganzen Krempel (Straessle, Herzradieschen 11);

b) Unsinn, dummes Zeug:
er redet den ganzen Tag nur Mist; Habt ihr den Mist gelesen, den Otto Bambuss gestern im Tecklenburger Kreisblatt zum Besten gegeben hat? (Remarque, Obelisk149);

c) lästige, ärgerliche, dumme Angelegenheit, Sache: was soll der Mist?;
mach deinen Mist doch alleine!;
Mist machen, verzapfen, produzieren, bauen (salopp; [einen] Fehler machen);
(in Flüchen:) so ein Mist!;
[verfluchter] Mist!;
Ja, sagte Stefan, ein verfluchter Mist, dass ich das Zimmer nicht mehr habe (Kuby, Sieg 142);
Ich habe ganz energisch darauf hingewiesen, dass es ... verboten ist ...
Und nun haben wir den Mist! (Konsalik, Promenadendeck 49);
Silke fand, jetzt müsste auch einmal von ihr die Rede sein und nicht etwa, wie sie in Mathe stünde oder so ein Mist (Loest, Nikolaikirche 70);

Kommentar am 02.06.2016
Das Nomen "Mist" (m) in der Bedeutung von gmd. "Abfall" (m) ist österreichisches Standarddeutsch. Standard in at und de: der Müll Standard in ch: der Kehricht

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Mist






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und des Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich genutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; manche dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch verschiedene regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark verwendet, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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