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Fraisen, Freisen

die
[ Froasn, Frasn, Fraasn, Fras ]

Krämpfe


Wortart: Substantiv
Erstellt von: Zaglbauer
Erstellt am: 09.06.2007
Bekanntheit: 62%  
Bewertungen: 28 2

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Kommentare (6)


erstaunlich wenige wissen, dass man in Österreich auch auf Hochdeutsch "die Fraise" sagen kann. Also ist diese Vokabel doppelt wichtig!
Brezi 23.06.2007


Freisen/Fraisen/Frasn/Fraasn/Fras (mit langem, hellem ā im Gegensatz zum "Fråß"!)
. Interessant ist, dass in einem städtischen Umfeld das alte ahd./mhd.[ei,ai] in diesem nicht alltäglichen weil medizinischen Wort sich offenbar erhalten hat, während der Diphthong im Bairisch-Österreichischen ansonsten doch zu [oa] bzw. in Wien und in Kärnten durch das Vorbild der ausländischen Habsburger, Babenberger und Spanheimer einem "feineren" â [a:] verschoben wurde, als die mhd. zu neuen [ei, ai] diphthongierten, um die ansonsten entstehende Lücke im Lautsystem zu vermeiden. Ähnliches ist übrigens beim lästigen Rauch, mhd."rouh", zu beobachten, der in den Städten durch den Schornstein entschwand und buchstäblich nicht mehr "der Rede wert" war. Erst als die "truckene Trunckenheit" aus Amerika ihren Einzug hielt, wurde vom Rauchen als etwas Neuem wieder häufig gesprochen. Die Bauern hingegen litten ununterbrochen am Rauch in ihren Stuben, sodass der Tabak nicht Neues brachte:"Gemma ane raachen", heißt es daher in Kärntner Tälern, Städter hingegen, die durchaus "Bām" für "Baum" sagen, würden nie "Rāch" für "Rauch" sagen.
Koschutnig 13.05.2008


Wurde in den 80-er Jahern sogar in den Anamnesebögen der Inneren Medizin im AKH Wien abgefragt (habe unzählige während meines Studiums ausgefüllt). Gemeint waren Krampfanfälle: sowohl eileptische als auch Fieberkrämpfe.
Umgangssprachlich benutze ich aber nur die Redewendung "in die Froasen fallen" mit der Bedeutung "sich so aufregen, dass man vor Wut zittert".
Paracelsus 20.01.2009


Aber der Glaube...
» Durch Umhängen eines „Froasknochens“, eines besonderen Knochens vom
Schwein, wurde ein Kind von den Fraisen geheilt.«
Variante: »
Im Schweinhirn ist nach Mitteilung einer Bäuerin ein kleiner Knochen das
„Schreckboanl“, es sieht fast aus wie ein Totenschädel, dieses unter den Kopfpolster
gelegt, soll kleine Kinder vor dem nächtlichen Aufschrecken und vor Fraisen
bewahren.«
Text aus der Ausstellung „Volksmedizin und Aberglaube“
im Freilichtmuseum Großdöllnerhof / Rechberg,OÖ
http://www.eduhi.at/dl/Pflanzliche_Heilmittel_Anwendung_sonst.pdf
Koschutnig 20.04.2011


In der „Liste historischer Krankheitsbezeichnungen“
führt Wikipedia die Fraisen an.

• Sebastian Kneipp: »Bei manchen Kindern geht das Zahnen ziemlich leicht vonstatten, während ein anderer Teil der Kinder sehr viel darunter zu leiden hat; sogar unbestimmte Krämpfe oder die sogenannten Fraisen können während des Zahnens auftreten. Sind die Kinder schwächlich, so macht sie das Zahnen krank.« (Bonifaz Reile, hrsg.: „Das große Kneippbuch“, München 1903)
• Brockhaus: »Eklampsie (grch.), mit Bewusstlosigkeit und Zuckungen verbundene Krämpfe, bes. bei Kindern und Schwangern. Die E. der Kinder (Eclampsia infantum), auch Krämpfe, schlagender Jammer, Gichter oder Fraisen genannt, tritt namentlich bei Brechdurchfall, auch Verstopfung, Wurmreiz, ferner bei vielen fieberhaften Krankheiten auf.« ( Kleines Konversations-Lexikon, Berlin 1906)

• Die ZEIT: »Der schwerstwiegende Pflegemangel betraf das Stillen. Als die häufigsten Todesursachen der Säuglinge wurden seinerzeit genannt: „Abzehrung" (wegen Nahrungsmangels), Krämpfe , „Fraisen “, „Convulsionen", worunter man damals Krankheiten verstand, die vor allem auftraten, weil Säuglinge nicht gestillt wurden und die Nahrung, die sie bekamen, verdorben war.« (Die Zeit, 28.02.1992)




• »Die Wassersuchten, die Lungensucht, die Lungenentzündung, die Freisen und der acute Gehirnwassererguß tödteten die meisten Kranken«, in der dortigen „Policlinik“
berichteten die Göttingischen gelehrten Anzeigen,1840
Koschutnig 14.12.2013


Ich schlage vor, "Freisen" dem Eintrag zwecks Sucherleichterung hinzuzufügen
Auch wenn Duden online nur "Fraisen" enthält, so wird’s "Freisen" nämlich auch geschrieben, siehe z.B. Austria-Forum:

»Freisen: Der volksmedizinische Sammelbegriff (ahd. ‚vreisliche’ - furchtbar) bezeichnet eine Reihe von Krankheiten, die man nicht unterscheiden konnte. Symptome waren furchterregende Anfälle wie z.B. bei Epilepsie. Die - oft minutenlangen - Anfälle werden durch eine plötzliche extreme Aktivitätssteigerung des Zentralnervensystems hervorgerufen und sind Symptome einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns. Dabei kann es zu heftigen Zuckungen, Stürzen und Bewusstlosigkeit kommen.

Da man die Ursachen nicht kannte, hoffte man auf die Hilfe von Amuletten und Devotionalien. Freisketten sind Universalamulette, bei denen Heilsteine, Reliquien, Kreuze, Wolfgangihackel, Neidfeige, Korallen, Münzen, Spiegel und anderes an einer Kette aufgehängt sind. Durch die Vielzahl der Einzelteile hoffte man, zumindest einen gegen die entsprechende Krankheit zu finden. Für Kinder gab es Freisenhäubchen sowie von den Kapuzinerinnen des Salzburger Loreto-Klosters genähte Freisenhemdchen. «
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/ABC_zur_Volkskunde_%C3%96sterreichs/Freisen
»Die Wassersuchten, die Lungensucht, die Lungenentzündung, die Freisen und der acute Gehirnwassererguß tödteten die meisten Kranken«, in der dortigen „Policlinik“
berichteten die Göttingischen gelehrten Anzeigen,1840Ich frag mich, wann – und wieso – sich die Schreibung mit „ai“ ausgerechnet bei diesem Wort durchsetzte.
Koschutnig 14.12.2013





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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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