Dein Österreichisches Wörterbuch
Porzn , die
Kleiner/niedriger Nadelbaum/Nadelbaumgruppe im Wald
Art des Eintrag: Substantiv
Kategorie: Natur
Erstellt am: 22.02.2008
Bekanntheit: 10%
Beurteilung: 2 | 0
Kommentar am 23.02.2008
Sehr interessantes Wort!
Das Wort ist offenbar heute in Altbayern nicht mehr in Gebrauch, in zeitgenössischer Literatur findet sich jedenfalls nichts dazu. ABER:
Johann Andreas Schmeller, Bayerisches Wörterbuch, 1877 (wörtlich zitiert): Der Borzen (Baerzn, Batzn, Bouzn) [ … ] Mos-Borzn, Erdhügelchen im Moorgrunde, Horst, Bürste [ … ] „Porzholz … Acht Schober Pairzen“, [ … ] „Einen Schober Portzen abzuhackhen und aufzubinden 3 Kr.“ [ … ] salzb. Wald-O[rdnung]. [ … ] „Die Örtter der Schwarzwäld so nitt fruchtbar Holz gegen der Höch tragen, sondern allein Löckach und parzig Holz der ennden wächst.“ (Ende des Zitats.) [ ] bedeutet Auslassung von Unwichtigem oder Einfügung von mir. Auf jeden Fall scheint eine Verwandtschaft zu dem Wort „Bürste“ zu bestehen. Es wäre sehr interessant zu erfahren, in welchen Gegenden Österreichs dieses oder ein ähnliches Wort noch verwendet wird!
Kommentar am 23.02.2008
Im Lungau
wird nach L.Ziller (Sbg. MA-WB) dieses Wort für "kleines Bäumchen" verwendet. Er führt es zurück auf mhd.'barzen' strotzen, hervordrängen. Im Pinzgau sprechen wir von "Boschn", eine Gruppe davon ist "a Boschach". Nach den Sturmschäden der vergangenen Jahre muss man wieder "Boschn setzn" (aufforsten)
Kommentar am 23.02.2008
@finaggl
Der oder die „Boschen“ haben wahrscheinlich mit „Porzn“ nichts zu tun. Das Wort „Boschen“ oder „Buschen“ (bei uns in Altbayern für Busch, Strauch, oder „Palmboschen“ an Ostern) leitet sich von mittelhochdeutsch „bosche“ ab. Das italienische Wort „bosco“ (Wald) ist höchstwahrscheinlich ein Lehnwort aus dem Deutschen.
Kommentar am 27.02.2012
In Bayern, Mitte 19. Jh.: Reisig, Reisach
der „Porze(n)“, auch „Borze“ : „Reisachbündel, Reisach überhaupt, eine Handvoll kl. Reiser zum Anzünden des Scheitholzes im Ofen“ , ( Anton Birlinger, "Schwäbisch-Augsburgisches Wörterbuch" , München 1864, Seite 71f. ) [http://tinyurl.com/73lyn29]
Kurier für Niederbayern. Landshuter Tag- u. Anzeigeblatt v. 20.5. 1855: ... die Bursche blieben heraus stehen und bemerkten, daß er mehrere Zündhölzchen anstrich und damit einen in der Schupfe liegenden Porzen (zusammengebundenes Tannenreis) anzuzünden versuchte. […]Als jetzt einer der umstehenden Bursche den brennenden Porzen zu löschen versuchte, fing Riedl, der sich das nicht gefallen lassen wollte, mit den Burschen zu raufen an.. ( S. 550) [http://tinyurl.com/7fvqzr6]
s.a. Grimm'sches Wörterbuch "Borzen" -[http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GB10079]
Kommentar am 27.02.2012
s. a. "Geporzach"
Geporzach
Um neue Kommentare einzufügen oder an einer Diskussion teilzunehmen, einfach auf das Österreichische Volkswörterbuch gehen.