Dein Österreichisches Wörterbuch

estamieren

schätzen, achten


Art des Eintrag: Verb

Kategorie: Zwischenmenschliches

Erstellt am: 19.10.2010

Bekanntheit: 50%

Beurteilung: 2 | 0

Kommentar am 19.10.2010
Siehe: [http://bureau.comandantina.com/archivos/2005/02/moses_phettberg.php]
Am 17.02.2005 um 19:49 schrieb Hermes Phettberg:
Liebe Comandantina, "estamieren" war ein 1955 im nordwestlichen Weinviertel häufig verwendetes Fremdwort. Und habe mir zusammengereimt, dass es in etwa "zusprechen" heißt.
Aber!
Gillenbeurener-Platt - estamieren
Hochdeutsch - etwas gut behandeln
Gillenbeuren liegt im Kreis im Kreis Cochem-Zell in der Nähe von Wiesbaden.

Kommentar am 19.10.2010
Gut, also eigentlich ist das ein Doppeleintrag.
Aber wie ´Compy´ gerade eindrücklich dargestellt hat, gibt es auch da spezifische Besonderheiten.
Meiner Meinung nach ist ´estamieren´ eine Aussprachevariante von ´estimieren´, die aber durchaus ihr Eigenleben entwickelt hat.

Kommentar am 06.12.2010
Auch in anderen Plattdeutsch-Varianten und in der Schwiz: von K in K:
*St. Aldegunder Platt, wo der "Wörterbuch"-Verfasser es offenbar für geltendes Standarddeutsch hält:
"äsdameere = anerkennen, estamieren" [http://tinyurl.com/35ehfab]
während der Listen-Verfasser einer anderen Gegend es als Lokalwort ansieht:
*Rengener Platt: "estamieren = etwas gut behandeln"
[http://www.rengen.de/sites/kultur/Platt-Komplett.htm]

Prof. Hermann Scheuringer vom Germanistik-Institut der Univ. Wien erklärt,
es sei ein veraltetes Fremdwort:
"französische Fremdwörter, die dialektal, aber nicht mehr hochsprachlich sind (= gesunken und nicht alt überkommen) „estamieren“ = schätzen" [http://tinyurl.com/3axv3n5]

Übrigens: auch in der Schweiz gibt´s estamieren neben estimieren:
* Auf der Seite von "Blick", dem Schweizer Gegenstück zur Bildzeitung, kommentiert ein Albert aus Uster im Kanton Zürich am 23.12.2007 den Artikel Christoph Blocher ohne Plan: «Ich weiss nicht, wie es weiter geht.» :
"[...]auch wenn es schmerzte, den Erfolg der Beiden zu estamieren."

[http://www.blick.ch/news/schweiz/ich-weiss-nicht-wie-es-weiter-geht-79268]
*aber:
* "Ausländische Grenzeinkäufer in der Schweiz. [...] Sie geniessen ganz offensichtlich den Einkauf in schönen Läden und estimieren die Frische sowie die grosse Auswahl."
[http://www.coop.ch/pb/site/medien/node/63195316/Lde/index.html]

Kommentar am 25.06.2022
AT-Standarddeutsch: estamieren CH-Standarddeutsch: ästimieren DE-Standarddeutsch: wertschätzen Gemeindeutsch (AT, CH, DE): schätzen

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estamieren






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und des Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich verwendeten bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Monarchie entlehnt. Eine umfangreiche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier im Besonderen bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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