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Karrette, Karette, Karettn , die

wertloses Auto; Karren


Art des Eintrag: Substantiv

Erstellt am: 12.05.2012

Bekanntheit: 16%

Beurteilung: 2 | 2

Kommentar am 12.05.2012
Was ist sie wo? Kommentare erbeten! 2 Postings:
Hey oide Karettn....:), ...*fg* Wie gehts da denn so? [http://my.sms.at/belafarinrod157/gaestebuch/?a0UU3u4EcA]
Das müsst ihr euch mal vorstellen, Willy mit seinem Cadillac und den O2 Flaschen, ich mit meinem Porsche und meiner Badewanne oben drauf und Regula mit ihrem Old-Timer. Dahinter schieben 3 nicht ganz "Dichte" auf Schneeschuhen ihre Karretten. Das wäre ein Bild für in die roten Zeitungen!!! Alfred am 16.2.72, [http://www.oehlrich.at/showthread.php?t=5774&page=50]

An diesem Wort zeigt sich, wie ein Wort, von dessen exakter Bedeutung man eine verschwommene Vorstellung besteht, für recht Verschiedenes angewendet werden kann: Unter einer "Karette" (mit 1 R) versteht man:
• laut Wikipedia:
• einen kleinen Einkaufswagen mit zwei Rädern
• in der Schweiz eine Schubkarre
• eine Karettschildkröte
• nach Duden online: eine Meeresschildkröte

Eine "Karrette" mit Doppel-R jedoch ist laut Duden-Fremdwörterbuch (1966)
• a) ein "schmalspuriges, geländegängiges Transport- und Zugmittel der Gebirgstruppen,
• b) schweiz. ein Schubkarren oder zweirädriger Karren,
• c) ein zweirädriges Einkaufswägelchen,

• und als "Karrete" (Doppel-R, 1 T) bes. ostmitteldeutsch ein "schlechter Wagen."

• In München ist's ein altes Auto -[http://tinyurl.com/d72gnds]
• in St. Johann/Tirol ein zweirädriger Pferdewagen - [http://tinyurl.com/c45u8bx]
• in der Inzinger Mundart ein dreirädriger Karren [http://www.pisch.at/Ernst/Bildchronik/Leseecke/Inzinger_Mundart.pdf]
• Im Gesäuse: Mit leichten „Karretten“ (einachsigen.Kohlewagen) führte der Johnsbacher Bauer die wertvolle Fracht nach Hieflau und ließ die Holzkohle in die dortigen großen Kohlbarren schaufeln.. (Josef Hasitschka: "Alpingeschichte kurz und bündig: Johnsbach im Gesäuse", Innsbruck 2010, S. 32) [http://tinyurl.com/7mgbmgo]
• Ein Foto einer österr. „Karrette für den Verwundetentransport“ aus dem 1. Weltkrieg zeigt einen Schubkarren mit Bahre: www.bildarchivaustria.at
• Auch für Munitionstransporte und den Transport von Feuerwehrspritzen dienten Karretten,
• und die Motorisierung des ersten österr. Bundesheeres wurde von Franz JORDAN am Beispiel der Austro-Daimler Motor-Karrette ADMK M.37 8 dargestellt.
Diese Karretten sind dann auch von der dt. Wehrmacht „heim ins Reich“ übernommen worden: s. Foto:
[http://www.kfzderwehrmacht.de/Hauptseite_deutsch/Kraftfahrzeuge/Osterreich/Austro-Daimler/Austro-Daimler_ADMK/austro-daimler_admk.html]

Kommentar am 13.05.2012
In Sachsen als Karrete (Karrede) bekannt "Das is ja ne alte Karrede." - wenn man ein altes wertloses Auto sieht.

Nachzulesen bei [http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/k/kk01125.htm]
"Carrete(Klassifizierung: nicht motorisierte Landfahrzeuge), eine kleine Kutsche, eine Art einer Kalesche. Jezt ist es am häufigsten nur noch im gemeinen Leben üblich, eine schlechte elende Kutsche, oder einen jeden Wagen mit Verachtung zu benennen.
Dieses Wort ist aus dem Ital. Carreta, Carretta, Carretto, welches das Diminutivum von Carro ist, und eine kleine Kutsche, eine Kalesche bezeichnet.
Im vorigen Jahrhundert war in Sachsen noch der Carreten=Zins bekannt, welchen sich die Superintendenten bei den Kirchen-Visitationen von den Eingepfarrten eines Kirchspieles zur Vergütung des Fuhrlohnes geben ließen."

Kommentar am 14.05.2012
Sachsen: "Im vorigen Jahrhundert..." schreibt Krünitz allerdings bereits im 18. Jh. (Ökonomische Enzyklopädie, 7. Teil, Berlin 1784, S. 678) s [http://tinyurl.com/d97rce4]

Kommentar am 14.05.2012
Manch ein Wagen steigt als Oldtimer im Wert, unsere Karettn aber gehören offenbar nicht dazu, vergleicht man sie etwa von dieser:
„Als in der letzten Hälfte des 13 Jahrh. Karl von Anjou seinen Einzug in Neapel hielt, fuhr die Königinn in einem Wagen, den der Geschichtsschreiber Caretta, oder auch Cariola, nennt, welcher in- und auswendig mit himmelblauem Sammet beschlagen und überall nit goldenen Lilien besäet war, dergleiehen Pracht die Neapolitaner noch nie gesehen hatten.“ ( Johann Georg Krünitz: „Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirtschaft in alphabetischer Ordnung“, 57. Teil: Kürschner – Kyrn, Brünn 1794, S. 262f. [http://tinyurl.com/cr39sx7]

Kommentar am 14.05.2012
Allerdings ist zu bemerken, dass das Wort Karrete in Sachsen immer mehr aus dem Sprachschatz verschwindet, während in meiner Kindheit und Jugend noch so manches Fahrzeug derartig betitelt wurde, das Wort also vielen geläufig war. Heute werden wertlose Autos viel schneller verschrottet und durch neue ersetzt.
Wie sieht es mit der Verwendung des Wortes Karette in Österreich aus?
@Koschutnig - mir ist schon das Alter der Krünitz-Enzyklopädie bekannt; ich nutze diese recht häufig.

Kommentar am 14.05.2012
@Compy Hatte ich die Anführungszeichen beim Krünitz-Zitat übersehen??
(Die Klarstellung, dass es sich beim "vorigen Jh." ums 17. Jh. dreht, war ja auch nicht für dich bestimmt)

Auch ich würde auch gerne erfahren, wie weit man mit der "Karettn" in deiner (und meiner) Bedeutung hierzulande noch vertraut ist. Ich war erstaunt, nur 2 Postings - und davon 1 in offenbar nicht bös gemeinter Übertragung auf eine 'Frauensperson' - zu entdecken.

Kommentar am 14.05.2012
@Koschutnig Asche aufs Haupt - die Gänsefüßchen fügte ich nachträglich ein nachdem ich Deinen Kommentar gelesen hatte. 's war gestern halt schon bissel spät.
Nach dem online-DUDEN ist die Herkunft der
-Karrete gallisch-lateinisch-mittellateinisch-italienisch, der Gebrauch landschaftlich, besonders ostmitteldeutsch. Bedeutung: schlechter Wagen.
Hingegen steht zur
-Karrette italienisch carretta, zu mittellateinisch carra < lateinisch carrus. Bedeutung: a) (schweizerisch, westösterreichisch) Schubkarren; zweirädriger Karren b) (schweizerisch) zweirädriger kleiner Einkaufswagen, der an einem Griff gezogen oder geschoben wird
Bei beiden Worten ist die Häufigkeit gering (1 von 5 Punkten)

Kommentar am 15.05.2012
In Kärnten ist das Wort „Karrette“ laut Gregor Rettis Umfrage (OEWB-Show) besser bekannt als im übrigen bairischsprachigen Österreich, wo es, wenn überhaupt, als Schubkarren/Scheibtruhe/Radltruhe bzw. als schweizerisches Wort bekannt ist. Über die Bedeutung in Kärnten liegt leider keine Aussage vor.
[http://tinyurl.com/7tmdobc]
Recht absurd ist, dass, wie Compy heute entdeckt hat, Retti auf seine Umfrage nach demselben Wort in anderer Schreibung ziemlich versch. Auskünfte zu Bekanntheit, Bedeutung und Verwendung erhalten hat.

Kommentar am 15.05.2012
In Vorarlberg hingegen ist laut Retti Karette am bekanntesten - als andere Bezeichnung für "Radltruchn".
In Niederösterreich soll Karette demnach nur für ein "fast auseinanderfallendes Auto" stehen.
- [http://tinyurl.com/8y27qse] -

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Karrette, Karette, Karettn






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