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scherwenzeln

umschmeicheln


Art des Eintrag: Verb

Kategorie: Zwischenmenschliches

Erstellt am: 20.03.2016

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Kommentar am 30.05.2016
Obgleich „scherwenzeln“ sogar die ältere der beiden Formen ist, ändert das allerdings nichts an der Tatsache, dass beide Formen nicht spezifisch österreichisch sind, und d a s wäre immerhin ein guter Grund zur Entfernung.

Kommentar am 30.05.2016
Zwar verwenden „scherwenzeln“ auch so verschiedenartige Österreicher wie Hofmannsthal und Anzengruber, Nestroy und Sacher-Masoch:

Wie Sie das durch und durchschauen, den Lug und Trug, die Gemeinheit und das Scherwenzeln, und die Speichellecker und die Ohrenbläserei und das Verleumden hinterm Rücken
Hugo von Hofmannsthal, Der Turm, I,2:http://tinyurl.com/jhyhn7f
,] Allweil um oans herumscherwenzeln wie a Hund, derweil mer ihm d' Schüssel blast! – und passen und warten afs Versterbn
Anzengruber, Der Gwissenswurm (1874):http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-gwissenswurm-462/16
(Stifler, Sporner, Wixer und Krautkopf zugleich, indem sie sich scherwenzelnd um Kathi drängen:)
Nestroy, Der Zerrissene (1844):http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-zerrissene-5119/9
Angela hätte Maxim in diesem Augenblicke küssen mögen, so freute sie sich darüber, daß er den Mut hatte, die Hofdame, vor der alles sscherwenzelte, abzutrumpfen.[quote] aber eben auch sehr, sehr viele Deutsche wie Grabbe, Theodor Fontane, Friedrich Gerstäcker oder die Marlitt oder Karl May und und und…: * Christian Dietrich Grabbe: Dann sprach der jüngere Scipio auch Verse – ein schmächtiger Kerl, der immer hinter ihm scherwenzelte, wie ein Katzenschwanz („Hannibal“ 1835) * Ludwig Bechstein, ging es, wie es zu allen Zeiten geht, daß die Bürger … statt den Raubbanden mit festem Mut entgegenzutreten und ihnen ihr schmutziges Handwerk zu legen, sie einlassen und um die Spitzbuben scherwenzeln. („Der Mönch von Reichenstein“. Deutsches Sagenbuch 1853) * Theodor Fontane, Eine jämmerliche Welt hier; immer muß man scherwenzeln, und wenn man nach vorn hin dienert, stößt man nach hinten hin einen um („Quitt“ (1891): * Friedrich Gerstäcker: »Der wird wieder schön um die neue Herrschaft herumscherwenzeln,« meinte der Vogt („Der Kunstreiter“) * Eugenie Marlitt) : »›Trägt nicht seinen Kopf fest auf dem geraden Rücken, sondern kriecht und scherwenzelt vor den Mächtigen‹, willst du sagen?« („Die zweite Frau“, 1874) * Karl May: in Dessau, wo Er nur böse Tage hat, wenn Er nicht zu scherwenzeln versteht! (Der alte Dessauer (1876)

Kommentar am 30.05.2016
Zur ursprünglichen Bedeutung von scher-/scharwenzeln kann man aus alten Lexika Interessantes erfahren: * Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905) schreibt bereits ungefähr so, wie wir's kennen: [quote: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909:http://www.zeno.org/nid/20007417861] Scherwenzeln (scharwenzeln, v. franz. servant, Diener), sich mit Kratzfüßen drehen und wenden.
Leopold Sacher-Masoch: Katharina II. Russische Hofgeschichten (1891):http://gutenberg.spiegel.de/buch/katharina-ii-4330/35
. Aber * Pierer's Universal-Lexikon. Bd. 15 1867):
Scherwenzeln, 1) Abart des Grobhäuserns, welche ganz wie dieses gespielt wird, u. worin die 4 Unter u. die 4 Neunen, Wenzel genannt, in alle Farben u. Blätter verwandelt werden können, so daß z.B. 1 Daus u. 1 König von derselben Farbe 41,1 Daus, 1 König etc. u. 3 Wenzel 4 Däuser, 4 Könige machen; 4 Wenzel überstechen alles Andere; 2) sich geschäftig um jemand bewegen.
Pierer's Universal-Lexikon , Band 15 ( 1867):http://de.academic.ru/dic.nsf/pierer/45833/Scherwenzeln
* Und der gute alte Adelung aus Mecklenburg-Vorpommern weiß schon 1798:
Der Schếrwếnzel, des -s, plur. ut nom. sing. in einem noch auf dem Lande in Deutschland, Pohlen, Schlesien, Böhmen u. s. f. üblichen Kartenspiele, der Untere in allen Farben, welcher zu sehr vielerley Verrichtungen gebraucht wird, daher auch das ganze Spiel Scherwenzel, und dasselbe spielen scherwenzeln heißt. Die ähnlichen Spiele Trischak, und auf dem Lande in Sachsen Grobhäuser, sind noch davon verschieden. Auch ein geschäftiger und zugleich willfähriger Mensch, welcher sich zu allem gebrauchen läßt, wird im gemeinen Leben häufig ein Scherwenzel genannt, daher auch eine Arzeney, oder ein jedes anderes Ding, dessen man sich aus Gewohnheit in mehrern verschiedenen Fällen bedienet, diesen Nahmen führet. Die letzte Hälfte dieses in allen Wörterbüchern übergangenen, obgleich sehr bekannten Wortes, scheinet der eigenthümliche Nahme Wenzel zu seyn
Johann Christoph Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798:http://woerterbuchnetz.de/Adelung/?sigle=Adelung&mode=Vernetzung&lemid=DS01277#XDS01277
Da schließt sich der Kreis mit dem Duden-Vermerk:
Scharwenzel, seltener Schwerwenzel, der, ... Bedeutungsübersicht … 2. [wohl unter Einfluss von Wenzel < = rot] (landschaftlich) (im Kartenspiel) Bube = (roter) Herzbube, zu: červený tschechisch červenec
Duden online:http://www.duden.de/rechtschreibung/Scharwenzel
Denn zum Verb findet man:
HERKUNFT ursprünglich = das Kartenspiel Scharwenzel spielen
Duden online:http://www.duden.de/rechtschreibung/scharwenzeln


Kommentar am 02.06.2016
Oh, oh, oh, der Verbanner des Eintrags hat nicht aufgepasst, denn unrichtig ist seine Begründung: “bereits vorhanden …". - Der verbannte Eintrag lautet nämlich nicht wie das bereits vorhandene scharwenzeln, sondern scherwenzeln, und dazu findet man schnell im Duden
Verwandte Form: scherwenzeln
Duden online:http://www.duden.de/rechtschreibung/scharwenzeln


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scherwenzeln






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und des Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich genutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Monarchie entlehnt. Eine umfangreiche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

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