Dein Österreichisches Wörterbuch
Jucker , der
leichtes, schnelles Wagenpferd
Art des Eintrag: Substantiv
Kategorie: Arbeitswelt, Veraltet, Historisch
Erstellt am: 15.11.2016
Bekanntheit: 0%
Beurteilung: 0 | 4
Kommentar am 15.11.2016
Jucker waren für die Wiener schnelle, temperamentvolle Wagenpferde. Vor allem die Fiaker waren stolz darauf, Jucker vor ihr „Zeugl" spannen zu können. Ermahnungen oder Strafen wegen Schnellfahrens nahmen sie gern in Kauf. Jucker gab es aber auch im Pferdesport. Der aus dem Alltag gewohnte Begriff wurde in die Arena der Wettrennen übernommen«
Franz Mailer, „Joseph Strauss. Kommentiertes Werkverzeichnis“ (2002), S. 123:http://tinyurl.com/ocp9cjy
Josef Strauß hat mit seiner ,Jucker-Polka' die elegantesten Pferde, nämlich die feschesten , Jucker', in einem Musikstück verewigt.
Barbara Wolflingseder, „Kollege kommt gleich!. Wiener Taxigeschichten“ (2004)
Pick erwiderte: „Zuerst muss ich die Herren etwas fragen: Wie lang braucht ein guter Fahrer vom Lamm bis zum Lusthaus?“ - Der „Spinatseppl" antwortete: „Wann ma d' Jucker schiassen lass'n - " Er verstummte, weil Toni, der gebrauchten Mundart wegen, ihm einen strafenden Blick zuwarf und der Hofmeister nun selbst im gefährlichen Schriftdeutsch erklärte: „Wönn mahn um Traaab die Hauptallöh abr...“ saß ihm der Vorortler im Nacken, aber er verbesserte rasch „hienunter fuhrt - fohrt - faaren tut...", er trocknete seine Stirne „kahn mahn's drmachen ... loisten in zwölf Minuten!" «
Leopold Ehrlich-Hichler, "Echtes Wien", Roman (1959), S. 92:
Der Kutscher zügelte geschickt die unaufhörlich trippelnden kecken Jucker vor dem Fünferhaus, mit kühnem Sprung schied der Diener vom Bock, riss den Wagenschlag auf und half einem Mann heraus, bei dessen Anblick die dichte Kinderschar, die bereits rundum stand, ein schauriges Gruseln durchfuhr
Rudolf Stürzer, Die Lamplgasse (1921):http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-lamplgasse-7972/10
Gruber hielt den Wagen inmitten der Fahrbahn und diktierte den Pferden ein rasendes Tempo. … Der rascheste Fiaker, die flinksten ungarischen Jucker, die schneidigsten Russen wurden überholt. … Wenn den Pferden die Pause gegönnt wurde, rund um das Lusthaus oder auf dem Rückwege ein gutes Stück langsamen Schritt zu gehen, tanzten die Lipizzaner so zierlich, als kämen sie eben frisch und vergnügt aus dem Stall.
Felix Salten, Florian. Das Pferd des Kaisers (1933):http://gutenberg.spiegel.de/buch/florian-das-pferd-des-kaisers-8729/2
Es war doch eine schöne Sache, auf diesem schmucken Wagen, von einem Paar feuriger Jucker gezogen, durch die schöne Landschaft dahinzusausen
Berta von Suttner, Eva Siebeck (1892):http://gutenberg.spiegel.de/buch/eva-siebeck-2596/8
»Die große Scheune brennt«, sagte der Graf mit plötzlicher Ruhe. »Gestern haben wir dort die letzte Garbe Sommerfrucht eingeführt.«
In dem Augenblicke rasselten auch schon die Feuerspritzen und die Wasserwagen am Schlosse vorbei, und im gestreckten Galopp fuhren die Jucker mit der Britschka in den Hof.
Maria Ebner-Eschenbach, Die erste Beichte. (1875):http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3921/14
Kommentar am 28.11.2018
Warum nicht kratzen, wenn's beim Bewerten so juckt (4 x negativ) ?
Carl Steinbach „Pferdelieferant und Inhaber des Ersten Wiener Tattersaal“ annonciert 1876 im Wiener Salonbltt:
Eine größere Anzahl eleganter Reit- und Wagenpferde ist bei mir zum Verkauf aufgestellt, darunter besonders erwähnenswert zwei schöne braune Viererzüge und mehrere schnelle Jucker.
Annoncen zum Wiener Salonblatt 7. Jg. Nr. 20 und Nr. 21 v. 13.5. bzw. 20.5. 1876: https://tinyurl.com/y96c8dud
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Zahlreiche
Jucker warteten auf Interessenten in den Österreichischen Blättern über Pferde und Jagd, z.B.
Ein einzelner brauner Walach – sehr figuranter, schneidiger Jucker, 15 Fst. 2 Zoll hoch, 6 Jahre alt. – Derselbe geht im Postzuge vorn am Leitseil außerordentlich schön
Österreichische Blätter über Pferde und Jagd, Jg. 4, Nr. 10 v. 10.3.1866:
https://tinyurl.com/y95zba8u
Kommentar am 28.11.2018
Ja, mir ist bewusst, dass ein „
Tattersall“ kein Saal ist, der Schreibfehler ist also nicht meine Erfindung, doch wie die Google-Books-Einträge zeigen, existiert überall im dt. Sprachraum bis heute die schreibmäßige Assoziation mit dem Saal.
Die Annonce Carl Steinbachs im Zusammenhang mit dem Jucker-Angebot hebt die aus England stammende und hier falsch geschriebene Bezeichnung mit der Praterstraßen-Anschrift auffallend groß hervor:
Meinen geehrten Kunden und einem P.T. Publikum erlaube ich mir anzuzeigen, dass ich den Ersten Wiener Tattersaal Praterstrasse 54 bereits übernommen habe...
Wiener Salonblatt 1876, Nr 21: https://tinyurl.com/yap8yr2z
Übrigens: Im „Fremden-Blatt“ (9.7.1877) annonciert Herr Steinbach seinen
Tattersall dann in gleicher Weise, aber korrekt - https://tinyurl.com/yb7mqvag - (und schreibt seinen Vornamen „Karl“)
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