Dein Österreichisches Wörterbuch
gehaut, g'haut
durchtrieben, listig
Art des Eintrag: Adjektiv
Kategorie: Zwischenmenschliches
Erstellt am: 19.07.2019
Bekanntheit: 0%
Beurteilung: 0 | 0
Kommentar am 19.07.2019
Ich bin da auf etwas Sonderbares gestoßen. Lebt das noch? Laut ÖWB ist „gehaut“ (zu „hauen“) mundartlich und bedeutet „durchtrieben, schlau, listig“.
Und Duden online sagt:
Duden:https://tinyurl.com/y5ohwwpz
Kommentar am 19.07.2019
Aus Südtirol:
Maria Buol., „Das Kind des Verbrechers“, 1948, Gutenberg: https://tinyurl.com/y4w9jofz
Hans Multerer, „Der himmelblaue Wagen“, 1935/2018 : https://tinyurl.com/yyasghb6
Werfel, „Das Lied von Bernadette“, 1941. Gutenberg: https://tinyurl.com/y64ftj4c
Kommentar am 21.07.2019
Erstaunlich: Nicht nur in (alt)österreichischen Texten wie angeführt, auch bei einem Kurt Tucholsky begegnet einem in jener Zeit ein solches „gehaut“:
Tucholsky, „Essays und Glossen“, Ges. Schriften 1907-1935: https://www.textlog.de/tucholsky-anweisung.html
Tucholsky, „Bert Brechts Hauspostille“:https://www.textlog.de/tucholsky-bert-brecht.html
Kommentar am 21.07.2019
Das in diesem Sinn wohl am häufigsten gehörte „gehaut“ wird wohl jenes aus dem „Walzertraum“ von 1908 sein: „O du lieber, o du g’scheiter, o du ganz gehauter Fratz“ Die Librettisten waren ein Wiener und einer aus der Bukowina. Hören könnt man's hier (vom deutschen Fritz Wunderlich): https://www.youtube.com/watch?v=JgXlaLG3bjk
Kommentar am 12.08.2019
Ob aber dieses Wort tatsächlich von "hauen" kommt und nicht einen völlig anderen Ursprung hat, den man aufgrund der üblichen Schreibung und der vermeintlich "ordentlichen" Aussprache nicht für möglich halten würde? Doch da spottet einer:
Adolf J. Storfer, Im Dickicht der Sprache, 1937, Text Archive.org: https://tinyurl.com/y2ef6kwx
Kommentar am 12.08.2019
Die Existenz eines solchen Wortes war ja schon dem Vater der etymolog. Wörterbücher aufgefallen, als er 1895 in seinem Wb. dt. Studentensprache schrieb: [ quote:Friedrich Kluge, Deutsche Studentensprache (1895): https://tinyurl.com/y5zfqolc] kaut - vorsichtig, verschmitzt ("ein kauter Kerl") 1831[/quote] Kluge bezog sich dabei auf den „Flotten Bursch“ von Ragotzky:
C. B. von Ragocky, Der flotte Bursch oder Neueste Sammlung von ... burschicosen Redensarten (Leipzig 1831): https://tinyurl.com/y3quffgg
Kommentar am 04.11.2019
Franz Werfel, Barbara oder die Frömmigkeit: https://tinyurl.com/y4znwrm7
Um neue Kommentare einzufügen oder an einer Diskussion teilzunehmen, einfach auf das Österreichische Volkswörterbuch gehen.