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Gebinde , das

Fass


Art des Eintrag: Substantiv

Kategorie: Technische Begriffe

Erstellt am: 14.11.2019

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Herkunft am 14.11.2019
Unter den zahlreichen von Duden online angeführten Bedeutungen von „Gebinde“- bestimmtes [genormtes] Quantum Garn vom Strang, dreieckige Holzkonstruktion aus zwei Dachsparren und den dazugehörenden Hölzern, zusammenhängende Reihe von Dachziegeln, Gesamtheit zusammengebundener Dinge [einer Art], Gesamtheit aus Verpackung und der verpackten Ware, aus einem einzigen Stück bestehende Verpackung - steht auch konkret

„[größeres] Fass Gebrauch: besonders österreichisch"
Duden online: https://tinyurl.com/yeawxxr2
Noch eindeutiger sagt das "Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache":
3. [b]österreichisch Fass[/b]. Bier, Wein in Gebinden verkaufen“
DWDS: https://tinyurl.com/yfq634s3


Kommentar am 16.11.2019
Seit der bedeutende, aber nicht österr. Hans Wollschläger 1966 die tolle Schauerstory Edgar Allan Poes „The Cask of Amontillado“ aus unerfindlichen Gründen nach über 10 „Fass“- Übersetzungen mit „Das Gebinde Amontillado“ übersetzte, nehmen die „Gebinde“ fürs Faß auch außerhalb Österreichs zu, z.B. Martynkewicz: Edgar Allan Poe (Rowohlt 2018): “Noch im November 1846 erschien [i]The Cask of Amontillado (Das Gebinde Amontillado)[/i]. Wilder noch wird’s, wenn ein Jochen Schwarzer in seiner Übersetzung von Stephen Kings „Dreamcatcher“ (dt. „Duddits“ bei Ullstein 2001) Poes Geschichte so nennt. In der „ZEIT“ ist der Rezensent manchmal so entgeistert, dass er
ausrufen möchte : " Heiliger Strohsack ! " zum Beispiel da , wo von einer Erzählung die Rede ist, die hier [i]Das Gebinde Amontillado[/i] heißt .
Die ZEIT 20/2001: https://tinyurl.com/vug2md4


Kommentar am 16.11.2019
Weine, bei denen vor allem die Produktionskosten zählen und bei denen auch große Mengen bewegt werden. Darunter fällt auch "Fasswein", jener Wein, der "[b]im Gebinde[/b]" gehandelt wird ... Fasswein bedeutet nicht ausschließlich einfacher Tafelwein, sondern kann auch Qualitätswein sein
DerStandard.at, 4.7.08: https://tinyurl.com/yh8xbn4m
Aber dieser steirische Weinhändler meint mit „Gebinde“ das Gegenteil, denn alle aufgelisteten Weine eines Burgenländers sind in der Tabelle „Gebinde“ in Flaschen (von 0,5 bis 1,5 l) abgefüllt:
Sorte – Jahr – Gebinde
Harry Wein&Genuss: https://tinyurl.com/yhwdbjur
! Auch die Wiener Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils meint mit „Gebinde“ eine Flasche: „Blaufränkisch Landwein aus dem Zwei-Liter-Gebinde, Helga und Alfred Weber, Eisenberg“ Ebenso verwendet es „In großen Flaschen entwickelt sich Wein zudem völlig anders, als im alltäglichen 0,75-Liter-Gebinde.“

Kommentar am 16.11.2019
Nachdem er zuvor 2x nicht typisch österreichischen Gebrauch durch Österreicher aufgezeigt hat, hat der Kommentator K. offenbar am Ende im Vergleich mit einer allgemein deutschen Verwendung deren deutsche Quelle verloren: “[i]im alltäglichen 0,75-Liter-[b]Gebinde[/b][/i]“ kommt nämlich vom Lindenkeller, der “Weinwerkstatt“ in Erlangen, BRD!

Kommentar am 17.11.2019
Nicht nur in seinem Buch „Tischelmayers Wein-Glossar - 2777 Begriffe rund um den Wein" (NP-Buchverlag, St. Pölten 2001) definiert der Österreicher Norbert Tischelmayer das „Gebinde“ mit stark österr. Gewichtung, sondern auch im weltgrößten Weinlexikon:
Ein historisches Flüssigkeitsmaß für Wein, womit zumeist ein Fass bzw. Holzbehälter mit lokal unterschiedlichen Volumina zu verstehen war. Die Bezeichnung leitet sich von „Fassbinden“ ab (...). Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet dies einen [b]im Fass oder Tank[/b] abgefüllten Wein unbestimmter Menge. Im weiteren Sinne kann dies auch die Qualität kennzeichnen, ein ausschließlich [b]im Gebinde (also nicht in Flaschen)[/b] abgefüllter Wein ist zumeist von geringerer bzw. einfacherer Qualität. Der Begriff wird aber auch allgemein für Weingefäße aller Art aus verschiedensten Materialien verwendet.
Wein Plus, Glossar: https://glossar.wein-plus.eu/gebinde


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Gebinde






Österreichisches Deutsch definiert die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich benutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache kommen aus den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein erheblicher Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe zu verwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier im Besonderen bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark verwendet, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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