Dein Österreichisches Wörterbuch

Nagel , das

Zählmaß für Obst und Gemüse


Art des Eintrag: Substantiv

Kategorie: Veraltet, Historisch

Erstellt am: 07.02.2020

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Kommentar am 07.02.2020
Dank User Pernhard kann ich den " Nagerl"-Eintrag hier nun ergänzen. 1871:

Julius Hirsch: Der Herr Experte hat gesagt, daß ein Nagel Salat 30 Stück hat. Versteht man unter einem Nagel überhaupt 30 Stück? Experte Schnürer: Ja wohl; in allen Gemüsegattungen, blos bei rothen Rüben nicht. Da sind blos 20 Stück ein Nagel
Enquête über die Approvisionirung Wiens, 1871: https://tinyurl.com/vm4t67b
Allerdings: Auch vom Karfiol („Carviol“) bildeten nur 20 Stück ein Nagel und „Gelbe Rüben“ (= Karotten) wurden nach „Buschen“ gehandelt.(S. 186) Was aber die Nagel-Zahl bei Äpfeln anlangte: 1880, also nach Einführung der Dezimalmaße:
Beim Obst gilt als Verkaufseinheit das Kilo ( ...) Unter Obst - Nagerl versteht man hier nur einige Stück (2 — 20 Stück)
Wiener illustrirte Garten-Zeitung, Jg. 5 (1880): https://tinyurl.com/rzy9bhr


Kommentar am 07.02.2020
Ein Steirer hatte in einer Kärntner Zeitung verkündet:
Mit 1. Jänner 1876 treten die neuen Maße und Gewichte ins Leben. ... Aber e i n Maß kann nicht abgeschafft werden, das geht aus allen Reformen siegreich hervor: es ist das wienerische "Nagel“. Ein „Nagel Aepfel“ bleibt immer " a Nagel", ob sonst das Obst nach Meter oder Liter verkauft wird.
Kärntner-Blatt 6.Jg., 1.10.1874, https://tinyurl.com/yx6k8ykm
Nun, nach Metern wird Obst wohl nur selten verkauft und der Nagelruf ist in Wien auch nicht mehr zu hören wie einst in der "guten alten Zeit":
Während die reiche Mutter in Trauer sich einschließt, um zu weinen, während sie ein prächtiges Grabmal bauen lässt, muß die arme Mutter des lieben Brotes wegen zum Stand sich setzen, und „Herda mein Nagel Aepfel!“ schreien.
Anton Langer, „ [quote: Anton Langer, „Ein Wiener Freiwilliger“, Lebensbild mit Gesang, 1855: https://tinyurl.com/uezazt


Kommentar am 16.06.2020
Aus der hitzigen Debatte um die Abschaffung des Wiener "Nagels":
ein Pfund kann man wägen, aber was soll man mit einem Nagel und Buschen machen? Das ist der Modus, wo man niemals weiß, ob man gut oder schlecht kauft ... wenn ich morgen nagelweise kaufen werde, wird es sich herausstellen, daß es nicht zwei gleiche Nagel Rüben in Wien gibt, die dasselbe Gewicht haben.
Enquête über die Approvisionirung Wiens, 1871: https://tinyurl.com/y8u7u5ks


Kommentar am 19.08.2020
Der Eipeldauer wirbt für seine Brief durch Preisvergleich: Der Eipeldauer macht Werbung bei seinen Lesern: [quote:Eipeldauer-Briefe Bd. 20 ( 1815): https://tinyurl.com/y4uuxswk ]Di ganzi Ausgab iß's Monat a Zwanz'ger, Was kaufts denn um das Geld bei der Zeit? - Nid a Seitel Wein, nid a [b]Nagel[/b] Maschanzger; Halts's eng nid auf ihr Herren! - seyds g'scheid! –

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Nagel






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich verwendeten bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Monarchie entlehnt. Eine erhebliche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein erheblicher Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch verschiedene regionale Dialektformen, hier im Besonderen bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark verwendet, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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