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Jass, das

Genie, das


Art des Eintrag: Substantiv

Erstellt am: 17.01.2007

Bekanntheit: 90%

Beurteilung: 3 | 0

Kommentar am 05.06.2012
Aber der Eberhard, der wäre halt ein echtes Jass, schwärmte sie gern
Dieser Jass ist offenbar tatsächlich selten geworden, wie wuppls Eintrag sagt: Unter mehreren 100 Google-und Yahoo-Belegen war nur ein Beispiel dazu zu finden.
[http://catcam.me/category/hanging-circus/]


Kommentar am 05.06.2012
Ob ein Zusammenhang mit den diversen Kartenspielen besteht? Immerhin ist "der Jass" beim Zensern (auch "Klammern" oder "Burlot") als der Atout-Bube die höchste Karte im Spiel.
Auch das im alemannischen Raum beliebte "Jassen" geht auf dieselbe orientalische Urform zurück, die sich durch Seefahrer im 16. Jh. von Holland aus verbreitete, wodurch sich das holländische Wort Jass (= Bauer oder Kasper) erklären ließe.

Ganz weit holt ein Hans Gehl aus, übernimmt dabei viel fast wörtlich von Johann Wolf, nimmt aber weder Bezug auf die holländische Herkunft des Jassens noch den holländischen Bauer:
Der Slang wird auch Jaß-Sprache genannt.*) Im Wienerischen ist ein „Jass“ ein Angeber, ein Protz, der von seinen Haberern bewundert wird. „Jass machen“ bedeutet in Temeswar 'protzen, sich zur Schau stellen’. Ein Jaß kann sich auch beim Raufen hervortun, in Liebesaffären, beim Kartenspiel u.a.
Die ugs. Bedeutung von „Jass“ ist
1. ’Fachgröße, Kenner’. „Jass“ nennt man den Trumpf-Buben im gleichnamigen Kartenspiel, wohl von As beeinflusst.
2. ‚begabter Schüler’. Österreichisch ist Jass, Pl. Jasse ein tüchtiger Bursch, ein Spitzenfachmann’.
In Temeswar bedeutet „sich jassmachen“ ‚prahlen, aufschneiden’, eine Bildung nach ungarisch „jasz(olni: jaszoskodni = ‚sich wie ein Bengel benehmen’.

(Hans Gehl, Deutsche Stadtsprachen in Provinzstädten Südosteuropas, ZDL-Beihefte 95, Stuttgart 1997, S. 44)
Gehl: [http://tinyurl.com/d9z63uv] Wolf: [http://tinyurl.com/7bqakaq]
*) Da hat sich der Verfasser wohl vertan: Das gilt nur ugs. für Temeswar (" Der Temeswarer Vorstadtjargon, eine Abzweigung der eigentlichen Stadtmundart, von manchen Temeswarern auch Jaß-Sprache genannt, ein Slang mit vorwiegend lexikalischen Eigentümlichkeiten." Johann Wolf, Kleine Banater Mundartkunde, Bukarest 1975, S. 81 sowie Johann Wolf, Banater deutsche Mundartkunde, Bukarest 1987, S. 127), und es gibt auch tatsächlich "Ein Heiteres Lexikon der Jass-Sprache", nämlich "Stöck - Wiis - Spruch" von Fritz Herdi, Rorschach 1990, doch das befasst sich mit dem Jassen!

Kommentar am 05.06.2012
Ganz anders aber könnte das geniale, echte, klasse „Jass“ seinen Ursprung ja auch vielleicht in den Jassen (oder Jazyger) in ehem. großen Ungarn auch im Ödenburger Raum gehabt haben, die als hervorragende Pfeilschützen richtig berühmt gewesen sein sollen. Über diese Jasse[n] schrieb begeistert Stephan Horváth: „Die Jaszen als magyarisch redende Nazion und Pfeilschützen“, in: Johann Graf Mailath, Geschichte der Magyaren, Band 5, Wien "bei F. Tendler am Graben", 1831, 2. Teil, nach S. 124 neue Seite 1 ff
[http://tinyurl.com/c893kl5]

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Jass, das






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und des Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache kommen aus den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Monarchie entlehnt. Eine umfangreiche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein erheblicher Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; manche dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch verschiedene regionale Dialektformen, hier im Besonderen bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark verwendet, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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