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Fratn , die

Hang, Reisighaufen, Wiese


Art des Eintrag: Substantiv

Erstellt am: 25.02.2007

Bekanntheit: 86.6667%

Beurteilung: 4 | 0

Kommentar am 17.11.2008
Wird auch für "Holzschlag", "Holzerntefläche" etc. verwendet.

Kommentar am 17.11.2008
Lichtung, Holzschlag wäre m.E. eine zutreffendere Übersetzung. "Hang" und "Wiese" ist viel zu allgemein! Es muss ja kein Hang sein - und wenn auf dem Hang ein Wald steht, ist der Hang keine 'Fratn' mehr. Auch ist doch eine gewöhnliche Wiese keine Fratn. Oder ist's anderswo wirklich anders?

Kommentar am 21.03.2009
andere Beteutung fratn = Reisighaufen so genannt Im Lungau

Kommentar am 02.05.2011
Latein im Wald, jedoch kein Jägerlatein! Fratn: Ein Lehnwort aus romanisch-ladinischen Dialekten im norditalienischen Dolomitengebiet.
Ligna fracta – 'gebrochenes Holz'
frata = 'durch Fällung oder Sturm abgeholztes Waldstück, umgelegter Wald, Waldlichtung' im Gebiet um Cortina (Anpezo, wo 2007 78% für einen Anschluss an Südtirol votierten) sowie im Fassatal in Welsch-Tirol (Trentino),
also ein Holzschlag, wo altes Holz lang umherliegt, so ist die Bedeutung „Reisighaufen“ im Lungau erklärbar

Der 'Tothag' kann sich jedoch zum 'Lebendhag' wandeln, wo allerhand durcheinander wächst, so ist die Bedeutung frata = „Gestrüpp“ in anderen ladinischen Kleingebieten erklärbar

frata im Grödnertal aber bedeutet ‚Gerümpel, Gesindel, Lumpenvolk’.
Eine Erklärung ist, dass Lichtung = Gelichtetes ( Waldstück) mit das Gelichter = Gesindel gleichgesetzt und in dieser Bedeutung rückübersetzt wurde.

Johannes Kramer: Etymologisches Wörterbuch des Dolomitenladinischen, Hamburg (Buske) 1990, Bd. 3, S. 319
[http://tinyurl.com/6cyc3l3]

Kommentar am 04.08.2011
Auf da Fratn vaschlåft die Sunn,
und du gehst wia im Tram dahin.
Verdürstet is Quelln und Brunn,
im Hadrach is Spinneweb drin.

Dege Spinneweb fliagt da ins Gsicht.
Bist hålt nix mehr die frische Bliah,
und du g'spürst es, dås Jåhr kriagt a Gwicht,
es hirbstlt, vagiß dås nia.

Wånn im Drautål da Summa verschlåft,
klingt die Luft wia a Singes aus Glås.
Und nebn da Sunn ihrer Kråft
sitzt hiaz nachtn die Kältn im Grås.

(Josef Hopfgartner)
[youtube:Ib0ntyDZJss::Video::]

Kommentar am 28.12.2011
"Fratte" ist die Schriftform, die in den Schriften der "Historischen Landeskommission für Steiermark" verwendet wird, und dort im Steirischen hat die Fratte auch eine ganz andere Bedeutung, nämlich eine Reihe oder Zeile auf landwirtschaftlichen Flächen:
"...breitete man das Brennholz nicht aus, sondern brannte es in Fratten (Zeilen) ab (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, Bd. 24, S.48)
* in Reihen geordnet("Fratten" genannt) (S. 152)
* Bildtitel: "Neuberg, Steiermark: Astzeilen ('Fratten' ) im Kahlschlag".(S. 82) [http://tinyurl.com/d3mnke9]
Hier aber stellt sich die Frage, ob wirklich eine Bedeutungsübertragung in der Bevölkerung und nicht einfach eine Verwechslung des städt. Autors vorliegt, ob nämlich nicht die Zeilen-, oder Reihenanordnung, sondern der Kahlschlag selbst die "Fratte" ist; vgl Etymologie: lat. 'ligna fracta', gebrochenes Holz, > roman. 'frata' abgeholzes Waldstück, Lichtung, s. Kommentar "Latein im Wald"

s.a. "Himbeerfraten" Himbeerfraten
"Roapafraten" Roapafraten
"Traktorfratn" Traktorfratn

Kommentar am 23.02.2012
2x in der Bedeutung "Holzschlag" (19. Jh.) Mei Schåtz is a Holzknecht,
er håckt, dåss åll's klingt,
dåss die Schart'n von der Frat'n
weit auße d'r springt.
(St. Martin bei Villach)

Die Holzknecht in der Frat'n
hånt Gelt a's wie Schart'n,
hånt Gelt a's wie Dreck,
werf'nt Zwanziger wek.
(Mittelkärnten)

[http://tinyurl.com/6q8d4ob]

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Fratn






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich genutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine erhebliche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein umfangreicher Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe zu verwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.

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